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Dr. Carmen Rotte
Pressesprecherin, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie
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Pressemitteilung

Herbert Jäckle erhält Ehrendoktorwürde der Universität Konstanz

7. Juli 2016

Die Universität Konstanz hat den Göttinger Max-Planck-Forscher Herbert Jäckle in einer feierlichen Zeremonie am 6. Juli 2016 zum Ehrendoktor ernannt. Die Hochschule würdigt damit seine herausragenden wissenschaftlichen Erfolge in der Entwicklungsbiologie und sein großartiges Engagement um die enge Zusammenarbeit zwischen der Universität Konstanz und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG).

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Prof. Dr. Herbert Jäckle

So hat sich Jäckle besonders um die Einrichtung des Center for Visual Computing of Collectives an der Universität Konstanz verdient gemacht. Das neue Zentrum stärkt die enge Kooperation der Universität mit der MPG, indem durch Doppelberufungen Professoren der Hochschule gleichzeitig Direktoren am Max-Planck-Institut (MPI) für Ornithologie werden. 

„Als gebürtiger Konstanzer freut mich besonders, dass meine Arbeit dort in Form dieser Ehrung anerkannt wird, wo alles angefangen hat – ein unerwartetes Geburtstagsgeschenk“, sagte Jäckle, der am MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen die  Abteilung Molekulare Entwicklungsbiologie leitet und derzeit die Position des Geschäftsführenden Direktors am Institut inne hat. 

Der Entwicklungsbiologe hat mit seiner Forschung wegweisende Einblicke in die frühe Entwicklung der Fruchtfliege Drosophila melanogaster erlangt. Seine Arbeit trug insbesondere zu einem detaillierten Verständnis darüber bei, wie diese Entwicklung molekular reguliert wird und wie die Fliege ihren Energiestoffwechsel im Gleichgewicht hält. 

Zusammen mit Kollegen gelang es ihm, wichtige Gene und molekulare Mechanismen zu identifizieren, die auch beim Menschen die Bildung von Organen und den Energiestoffwechsel kontrollieren. Diese Erkenntnisse liefern neue Ansätze, um möglicherweise Therapien etwa für Fettleibigkeit und Diabetes zu entwickeln, bei denen die Strukturen und Funktionen von Organen defekt sind. Das gemeinsam mit dem Zellbiologen Peter Gruss gegründete Biotech-Unternehmen DeveloGen AG (heute Evotec AG) arbeitet daran, diese Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die Anwendung zu überführen. 

Herbert Jäckle hat sich neben seiner Arbeit als Forscher auch als Wissenschaftsmanager verdient gemacht. Von 2002 bis 2014 war er Vizepräsident der MPG und brachte in dieser Funktion mit kreativen Ideen manch neuen Anstoß in der nationalen und internationalen Wissenschaft. Außerdem förderte er die ihm sehr wichtige internationale Zusammenarbeit in der Forschung. So initiierte er etwa das von der MPG und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam getragene Institut für Computergestützte Biologie in Shanghai (China) sowie ein biomedizinisches Partner-Institut der MPG und des argentinischen Wissenschaftsministeriums in Buenos Aires (Argentinien). Außerdem baute Jäckle innerhalb der MPG ein sehr erfolgreiches Programm zur Förderung von talentierten Nachwuchswissenschaftlern auf, um diese bereits am Anfang ihrer Karriere zu unterstützen.   

Über den Preisträger

Herbert Jäckle promovierte 1977 an der Universität Freiburg in Biologie. Anschließend arbeitete er an der University of Texas in Austin (USA), am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg und am MPI für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Im Jahr 1987 wurde er Ordinarius für Genetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1991 wechselte er nach Göttingen an das MPI für biophysikalische Chemie, wo er seitdem als Direktor die Abteilung Molekulare Entwicklungsbiologie leitet. Seit 1993 lehrt er zudem als Honorarprofessor an der Universität Göttingen. Die MPG ernannte ihn 2002 zu ihrem Vize-Präsidenten. 2008 wurde er für eine weitere Amtszeit bis zum Jahr 2014 berufen.

Herbert Jäckle erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis (1986), den Feldberg-Preis (1990), den Otto Bayer-Preis (1992), den Louis Jeantet-Preis für Medizin (1999), den Deutschen Zukunftspreis (1999) sowie den China International Cooperation Award und den Preis für internationale wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit der Volksrepublik China (beide 2013). Im Jahr 2010 wurde er mit dem Verdienstkreuz erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der argentinische Staat ehrte ihn 2014 mit dem Luis Federico Leloir-Preis. Er hält Ehrendoktorwürden des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel) und der Universität Basel (Schweiz). (fk)

 
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