Pressemitteilung

Tobias Moser erhält Ernst Jung-Preis für Medizin 2017

6. Januar 2017

Hamburg, 6. Januar 2017. Der Göttinger Hörforscher Tobias Moser wird mit dem diesjährigen Ernst Jung-Preis für Medizin ausgezeichnet. Mit diesem Preis ehrt die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung den Neurowissenschaftler für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Signalübertragung im Innenohr und seine innovativen Therapie-Konzepte zur Behandlung von Schwerhörigkeit. Den mit 300.000 Euro dotierten Preis teilt sich Moser mit dem Züricher Strukturbiologen Nenad Ban. Die feierliche Verleihung der Auszeichnungen findet am 19. Mai 2017 in Hamburg statt.
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Professor Dr. Tobias Moser

Wie werden Geräusche von unserem Gehör aufgenommen? Wie erhalten wir innerhalb weniger Sekundenbruchteile eine akustische Information? Schallwellen treffen auf das Ohr und werden von den Sinneszellen der Gehörschnecke (Cochlea), den sogenannten Haarzellen, in elektrische Signale umgewandelt, die unser Gehirn wahrnehmen und verarbeiten kann. Diese blitzschnell ablaufenden, hochkomplizierten Prozesse der synaptischen Schallkodierung auf molekularer Ebene zu verstehen, ihre Pathologie zu untersuchen und Gentherapien zu entwickeln, sind die Forschungsziele von Moser und seinen Mitarbeitern. Als Vorreiter erarbeiteten sie in der Vergangenheit bereits wichtige Grundlagen auf dem Gebiet, das mittlerweile von weltweit mehr als 20 Arbeitsgruppen aktiv erforscht wird. Darüber hinaus untersuchen die Wissenschaftler um Moser die spezialisierten auditorischen Synapsen des Hirnstamms, die Informationen sehr zuverlässig und mit hoher Geschwindigkeit übertragen. Seit 2008 leisten sie zudem Pionierarbeit bei der Etablierung des optogenetischen Cochlea-Implantats.

Moser ist Institutsleiter und Professor am Institut für Auditorische Neurowissenschaften der Universitätsmedizin Göttingen. Darüber hinaus leitet er in Göttingen die Arbeitsgruppe „Auditorische Neurowissenschaften und Optogenetik“ am Deutschen Primatenzentrum, die Forschungsgruppe „Synaptische Nanophysiologie“ am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie sowie die assoziierte Arbeitsgruppe „Auditorische Neurowissenschaften“ am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin. „Ich bin von Natur aus neugierig und möchte den Dingen intensiv auf den Grund gehen“, erklärt der 48-Jährige seine Motivation zur Forschung. „Kreativität, Leistungsbereitschaft, Aufrichtigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind für mich Schlüsseleigenschaften eines erfolgreichen Forschers. Ärzte brauchen zudem die Fähigkeit, für erkrankte Menschen ein kompetenter medizinischer Partner zu sein und eine gute Balance aus Fürsorge und Akzeptanz des Patientenwillens zu finden.“

 

Über Tobias Moser

Tobias Moser studierte Medizin in Leipzig und Erfurt. Er wurde mit einer im Göttinger Labor des Nobelpreisträgers Erwin Neher angefertigten Arbeit promoviert. In Nehers Abteilung am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie blieb er auch danach als Postdoktorand und Nachwuchsgruppenleiter. Parallel dazu begann Moser eine Facharztausbildung an der Universität Göttingen, an deren Universitätsklinikum er seit 2001 eine eigene Arbeitsgruppe, das „InnerEarLab“ leitet. Nach der Habilitation in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde 2003 wurde er 2005 zum Professor ernannt und hat seit 2007 einen eigenen Lehrstuhl inne. Aktuell ist Moser Institutsleiter und Professor am Institut für Auditorische Neurowissenschaften der Universitätsmedizin Göttingen. 2014 wurde er als Max Planck Fellow ernannt und leitet seitdem zwei Forschungsgruppen Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen. Darüber hinaus leitet er eine Arbeitsgruppe am Deutschen Primatenzentrum. Außerdem ist Moser Sprecher des seit 2011 geförderten Göttinger Sonderforschungsbereichs (SFB) „Zelluläre Mechanismen Sensorischer Verarbeitung“.  Für seine Arbeiten hat der Mediziner zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den renommierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2015 und ein hochkompetitives ERC Advanced Grant.

 

Über den Ernst Jung-Preis

Ernst Jung-Preis für Medizin

Der Ernst Jung-Preis für Medizin zählt mit einem Preisgeld von 300.000 Euro zu den höchstdotierten Medizinpreisen Europas. Die 1967 gegründete Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung unterstützt mit dieser jährlich vergebenen Auszeichnung bereits seit 1976 Forschungsprojekte von Spitzenwissenschaftlern, die durch ihre Arbeit Fortschritte in der angewandten Medizin vorbereiten. 8,7 Millionen Euro sind allein durch sie bereits in die medizinische Forschung geflossen.

 
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