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Prof. Dr. Manfred Lindau
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Dr. Alina Dressler
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Pressemitteilung

Sir-Bernard-Katz-Preis für Manfred Lindau

19. Februar 2018

Manfred Lindau, Forschungsgruppenleiter am Göttinger Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie, ist mit dem diesjährigen Sir-Bernard-Katz-Preis ausgezeichnet worden. Die amerikanische Biophysical Society ehrt ihn damit für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Signalübertragung zwischen Nervenzellen. Die Preisverleihung fand am 17. Februar 2018 in San Francisco (USA) statt.

Der Preisträger Manfred Lindau beschäftigt sich mit der Kommunikation von Nervenzellen. Wenn Nervenzellen miteinander „sprechen“, nehmen sie Signale auf, verarbeiten diese und geben sie an eine Empfängerzelle weiter. In den meisten Fällen werden die Signale über spezielle Botenstoffe vermittelt, die in kleinen Membranbläschen – den Vesikeln – im Zellinneren bereitliegen. Um eine Botschaft zu übertragen, verschmelzen einige der Vesikel mit der Zellmembran. Dabei werden die Botenstoffe aus der Zelle freigesetzt und lösen in der empfangenden Zelle ein Signal aus.

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Forschungsgruppenleiter Prof. Dr. Manfred Lindau

Lindaus Interesse gilt dem „Tor“ zwischen Vesikeln und Zellmembran, durch das die Botenstoffe aus den Bläschen in den extrazellulären Raum gelangen. Es bildet sich, wenn sogenannte SNARE-Proteine auf der Bläschenmembran an SNARE-Proteine der Zellmembran binden und die beiden zueinander ziehen. In Laborexperimenten charakterisiert der Wissenschaftler die Öffnung der molekularen Tore mit speziell entwickelten mikroskopischen Sensoren. Zudem erforscht er mit Computersimulationen die molekulare Mechanik der Tor-öffnenden Proteine.

„Dieser Preis ist eine außerordentliche Anerkennung unserer Forschung, die natürlich auch die Mitarbeiter in meinen Labors auszeichnet. Es ist eine ganz besondere Ehre, mit diesem Preis in einer Reihe mit Nobelpreisträgern und weiteren namhaften Wissenschaftlern zu stehen, die auf dem Gebiet der Vesikelfusion großartige Beiträge geleistet haben“, freut sich der Physiker über den Sir-Bernard-Katz-Preis.

Die Arbeiten des Preisträgers sind sowohl für die neurobiologische Forschung als auch für die Medizin von Bedeutung. Denn biologische Gifte wie das Tetanustoxin oder Botulinumtoxin (Botox) wirken auf diese Maschinerie. Darüber hinaus nutzen Viren ähnliche Mechanismen, um in Zellen einzudringen. Wenn Wissenschaftler genau verstehen, wie Nervenzellen ihre Botenstoffe freisetzen, kann dies zu neuen Behandlungsstrategien bei manchen Muskelerkrankungen und Virusinfektionen führen. (ad)

Über Manfred Lindau

Manfred Lindau studierte Physik an der Technischen Universität Berlin und der Universität Hamburg. 1983 erhielt er seinen Doktortitel in physikalischer Chemie von der Technischen Universität Berlin. Danach arbeitete er als Postdoktorand am MPI für biophysikalische Chemie und an der Freien Universität Berlin, wo er ab 1988 seine eigene Arbeitsgruppe leitete und sich 1991 in experimenteller Physik habilitierte. Nach Tätigkeiten als Forschungsgruppenleiter und Privatdozent in Heidelberg war er Associate Professor an der Cornell University in Ithaca (USA). Seit 2003 ist er dort Full Professor. 2013 etablierte er außerdem die Forschungsgruppe Zellbiologie auf der Nanoskala am MPI für biophysikalische Chemie.

Über den Sir-Bernard-Katz-Preis

Der Sir-Bernard-Katz-Preis der Biophysical Society wird zur Erinnerung an das Lebenswerk von Sir Bernard Katz vergeben. Der gebürtige Leipziger emigrierte 1935 nach England und forschte und lehrte dort mit Unterbrechungen am University College London. Für seine Arbeiten über die Freisetzung von Botenstoffen aus Vesikeln der Nervenzelle erhielt der Biophysiker und Neurophysiologe 1970 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, zusammen mit Ulf von Euler und Julius Axelrod.

 
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