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Das Institut trauert um Hans Strehlow

Langjähriger Max-Planck-Direktor Hans Strehlow verstorben

26. November 2012

Das Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie trauert um seinen emeritierten Direktor Hans Strehlow. Am 18. November 2012 ist der Forscher im Alter von 93 Jahren verstorben. „Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Angehörigen“, sagt der Geschäftsführende Direktor des Instituts, Gregor Eichele. „Mit Hans Strehlow verliert das Institut einen herausragenden Wissenschaftler, der als Theoretiker ebenso kreativ war wie als Experimentator. Sein weitsichtiger Rat wurde von allen Kollegen gesucht und geschätzt. Dafür sind wir Hans Strehlow in tiefer Dankbarkeit verbunden.“

Nach dem Studium der Chemie in Bonn und München und nachfolgender Promotion wechselte Hans Strehlow 1950 nach Göttingen an das MPI für physikalische Chemie. Bei Karl Friedrich Bonhoeffer forschte er zunächst als Stipendiat, später als Assistent. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Erfolge berief ihn die Max-Planck-Gesellschaft bereits 1958 zum Wissenschaftlichen Mitglied, 1966 ernannte ihn das MPI für physikalische Chemie zum Direktor einer eigenständigen Abteilung. Nach Überführung dieses Instituts in das 1971 neu gegründete und thematisch erweiterte MPI für biophysikalische Chemie war er dort einer der Gründungsdirektoren. Bis zum Jahr 1984 leitete er die Abteilung „Elektrochemie und Reaktionskinetik“. Auch nach seiner Emeritierung blieb er am Institut wissenschaftlich aktiv. 

Nachdem Hans Strehlow sich in frühen Arbeiten hauptsächlich mit Themen der Elektrochemie beschäftigt hatte, interessierten ihn später vor allem reaktionskinetische Fragestellungen zu elementaren Prozessen in Lösungen. In Erweiterung der Arbeiten von Nobelpreisträger Manfred Eigen zur chemischen Relaxation und Messung schneller Reaktionen entwickelte er die Methode des Drucksprungs. Mithilfe von Leitfähigkeitsmessungen konnte er diese für kinetische Untersuchungen etablieren. Darüber hinaus erkannte Strehlow in einer Zeit, als nur wenige Forscherkollegen eine genauere Vorstellung von der Kernspinresonanz hatten, dass diese neue Methode nicht nur strukturelle Informationen über den Aufbau von Molekülen liefert, sondern dass sich damit auch dynamische Vorgänge und chemische Austauschprozesse untersuchen lassen. Auf seine Forschungen gehen wichtige Erkenntnisse über die Kinetik von Ionenreaktionen in wässrigen Lösungen und Lösungsmittelgemischen zurück. Seine Arbeiten zur Komplexchemie der Alkalimetallionen waren zukunftsweisend.

Besonders am Herzen lag dem Forscher die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Mit großem Einsatz engagierte er sich für seine Studierenden und Doktoranden, um ihnen den nötigen Beistand zu geben und räumte ihnen gleichzeitig großen Freiraum für die eigene Forschung ein. „Herr Strehlow war ein großartiger Mentor, der als Forscherpersönlichkeit in besonderem Maße der wissenschaftlichen Wahrheit verpflichtet war. Völlig uneigennützig hat er jüngeren Kollegen und auch mir persönlich sehr geholfen, den eigenen Weg zu finden“, sagt sein ehemaliger Doktorand Jens Frahm, der heute die erfolgreiche Biomedizinische NMR Forschungs GmbH am Institut leitet. [cr]

 
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