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Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Stefan W. Hell

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Ehrenmitgliedschaft der Rumänischen Akademie für Stefan Hell

Stefan Hell wird Ehrenmitglied der Rumänischen Akademie

30. November 2012

Die Rumänische Akademie hat Stefan W. Hell, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, zu ihrem Ehrenmitglied gewählt. Als weiteres Ehrenmitglied wurde der Nobelpreisträger Theodor W. Hänsch aufgenommen. Mit ihrer höchsten Auszeichnung ehrt die Rumänische Akademie die Physiker für ihre herausragenden Arbeiten im Dienste der Wissenschaft und der Gesellschaft. Die Insignien der Ehrenmitgliedschaft wurden ihnen am 29. November in der Rumänischen Akademie in Bukarest überreicht.

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Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan W. Hell

"Über diese Auszeichnung freue ich mich ganz besonders und fühle mich sehr geehrt", sagte Hell bei der feierlichen Aufnahme. Er ist nicht der erste Göttinger Forscher, dem diese Auszeichnung zuteil wird. Unter den früheren Ehrenmitgliedern finden sich auch der Chemie-Nobelpreisträger Otto Hahn und der Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg.

Mit seinen zunächst sehr ungewöhnlichen Ideen hat Stefan Hell Lehrbuchwissen auf den Kopf gestellt. Ihm gelang es, die von Abbe gefundene Beugungsgrenze von Lichtmikroskopen fundamental zu unterlaufen – und revolutionierte damit die Lichtmikroskopie. Vorher konnten Lichtmikroskope Objekte, die weniger als 200 Nanometer (millionstel Millimeter) voneinander entfernt sind, im Bild nicht mehr trennen. Für Biologen, die bei der Beobachtung von Vorgängen in lebenden Zellen auf die Lichtmikroskopie angewiesen sind, bedeutete dies eine massive Einschränkung, denn für sie sind weitaus kleinere Strukturen in lebenden Zellen interessant.

Hells Entwicklungen führten zu einer neuen Klasse von Lichtmikroskopen, die wesentlich tiefer in die molekulare Skala des Lebens vordringen können. Die von Hell erfundene und entwickelte Stimulated Emission Depletion (STED)-Mikroskopie und damit verwandte Verfahren erlauben es, Zellen mit einer heute bis zu zehnmal besseren Detailschärfe zu beobachten und sogar Vorgänge im Inneren lebender Zellen zu filmen. "Die Methode ist noch längst nicht ausgereizt, weil ihr ein relativ allgemeines Grundprinzip zugrunde liegt", sagt der Physiker. "In letzter Konsequenz geht es darum, die Moleküle des zu betrachtenden Objekts kurzfristig zwischen zwei verschiedenen Zuständen hin und her zu schalten. Damit werden sie automatisch trennbar. Das ist ein neuer und bisher unterschätzter physikalischer Ansatz in der Mikroskopie. Für mich und meine Mitarbeiter ist es eine große Freude zu sehen, wie schnell dieser Durchbruch auf dem Gebiet der angewandten Physik in die Biologie und Medizin Einzug hält und am Ende uns allen zugutekommen wird." (cr)


Über den Preisträger

Stefan W. Hell promovierte 1990 an der Universität Heidelberg in Physik und arbeitete von 1991 bis 1993 am Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium (EMBL) in Heidelberg. Danach folgte ein dreieinhalbjähriger Aufenthalt an den Universitäten Turku (Finnland) und Oxford (Großbritannien). Als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe wechselte er im Jahr 1997 an das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Seit 2002 ist er an diesem Institut Direktor und Leiter der Abteilung NanoBiophotonik. Stefan Hell hat für seine Forschung zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den 10. Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten (2006), den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis sowie den Niedersächsischen Staatspreis (beide 2008). Der Otto-Hahn-Preis für Physik folgte im Jahr 2009, der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft wurde ihm 2011 verliehen. 

 
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