Max-Planck-Institut
für biophysikalische Chemie

Göttingen

Minerva



Stefan Hell erhält den 10. Deutschen Zukunftspreis für
"Lichtmikroskopie in ungekannter Schärfe"

In einer Festveranstaltung am 23. November 2006 in Berlin wurde der "10. Deutsche Zukunftspreis - Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation" vergeben. Aus vier nominierten Teams wurde Stefan Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und Leiter der Abteilung NanoBiophotonik, ausgewählt und für seine bahnbrechenden Ideen zur Verbesserung der Lichtmikroskopie ausgezeichnet. Zum zweiten Mal in seiner 10jährigen Geschichte geht der Preis damit an Wissenschaftler des Göttinger Max-Planck-Instituts.



Prof. Dr. Stefan W. Hell
© Deutscher Zukunftspreis, Foto: Ansgar Pudenz
download (990 x 700, 147kB)

Die Jury hat entschieden: Der 10. Deutsche Zukunftspreis für Technik und Innovation geht an Stefan Hell für seine Idee, die Lichtmikroskopie über die damals bekannten Grenzen der Physik hinaus grundlegend zu verbessern. Das Ergebnis wurde im Rahmen einer festlichen Gala-Veranstaltung in Berlin bekannt gegeben, die anschließend auch im ZDF übertragen wurde. Bundespräsident Horst Köhler überreichte den Preis.

Die mit 250.000 Euro dotierte Auszeichnung gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftspreisen in Deutschland. Dabei ist der Deutsche Zukunftspreis mehr als das: Er zeichnet Projekte aus, die nicht nur von hoher wissenschaftlicher Qualität, sondern zugleich anwendungs- und marktreif sind. Seit 1997, als der Preis zum ersten Mal vergeben wurde, wurden damit jetzt 10 Projekte ausgezeichnet. Die Preisträger von 1999 waren Peter Gruss und Herbert Jäckle, wie Stefan Hell ebenfalls Direktoren am MPI für biophysikalische Chemie.

Der diesjährige Preistäger hat lange an seiner Idee gearbeitet. Er wollte sich nicht damit zufrieden geben, dass die Auflösung von Lichtmikroskopen nach physikalischen Gesetzen grundsätzlich beschränkt sei. Mit neuen und zunächst "verqueren" Ideen hat der Physiker Stefan Hell gültiges Lehrbuchwissen auf den Kopf gestellt und die Anwendungsmöglichkeiten der optischen Mikroskopie revolutioniert. Mit der von ihm entwickelten "STED-Mikroskopie" kann man - mit Licht und in Zukunft auch an lebenden Zellen - Einzelheiten erkennen, die selbst den best auflösenden herkömmlichen Mikroskopen bisher verschlossen blieben.

Diesen innovativen und erfolgreichen Ansatz hat die Jury des Bundespräsidenten jetzt ausgewählt und damit ein Projekt ausgezeichnet, das mit neuen Methoden völlig neue Einblicke und Verfahrenstechniken in vielen Anwendungsgebieten verspricht. "Die Firma Leica Microsystems in Mannheim hat angekündigt, das STED-Mikroskop 2007 auf den Markt zu bringen," sagt Prof. Hell. Es ist seit langem das erste kommerzielle Mikroskop mit einer deutlich höheren Auflösung. "Das sollte sich nicht schwer verkaufen." Auch die Herstellung von elektronischen Bauteilen und Chips könne die STED-Mikroskopie oder ein verwandtes Verfahren beschleunigen oder verbilligen. Die größte Wertschöpfung sei aber nicht im Nettoverkaufspreis pro Stück zu suchen. Die wesentlich deutlicheren Einblicke ins Innere von Zellen werde neue Erkenntnisse in der Gesundheitsforschung schaffen und alles,

Der Blick auf das Innere von Zellen wird immer schärfer: Die beiden Abbildungen zeigen
Filamente in einer menschlichen Nervenzelle; links durch ein herkömmliches
Konfokalmikroskop, rechts durch ein STED-Mikroskop. Die Auflösung des
STED-Mikroskops ist um das Zwölffache besser.
Bild: MPI für biophysikalische Chemie
download (1000 x 569, 165kB)
was sich daraus ableitet: neue Therapieformen, neue Medikamente und die damit verbundenen Werte. "Dieser Markt hat nicht nur eine andere Größenordnung, sondern auch eine menschliche Dimension," sagt Stefan Hell.

Stefan Hell, 1962 geboren, studierte in Heidelberg Physik. Er habe "phantastische" Physiklehrer und Hochschullehrer gehabt, denen man die Freude angemerkt habe, Physiker zu sein, Forschung zu machen und Dinge verstehen zu wollen. Nach seiner Promotion 1990 in Heidelberg verfolgte er seine Ideen zunächst als "freier Erfinder". Nach einer Zeit als Postdoktorand am EMBL in Heidelberg ging er 1993 als Gruppenleiter nach Turku, Finnland. Dort entwickelte er das Prinzip der STED-Mikroskopie. Von Turku aus wechselte Hell 1996 als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe an das MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen, wo er seit 2002 die Abteilung NanoBiophotonik leitet. Hell ist Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und seit 2004 Honorarprofessor für Experimentalphysik an der Georg-August-Universität Göttingen. Er erhielt mehrere Preise, darunter 2000 den Preis der International Commission for Optics (ICO).




Diese und weitere Bilder, auch zur PR-Verwendung, finden Sie unter www.deutscher-zukunftspreis.de
© Deutscher Zukunftspreis, Fotos: Ansgar Pudenz

Weitere Informationen:

www.deutscher-zukunftspreis.de
hier finden Sie ein ausführliches Interview mit Prof. Stefan Hell, eine kurze Beschreibung des Verfahrens und weitere Bilder.

www.mpibpc.mpg.de/PR/2006/ - Pressemeldungen vom 14. April und vom 10. August 2006

www.mpibpc.mpg.de/reports/mpf/03_4MPF_18_23.pdf - Bericht in der Zeitschrift MaxPlanckForschung Heft 4/2003

Tätigkeitsbericht in Jahrbuch der Max-Planck-Gesellschaft 2005: "Neues Gesetz zur Auflösung in der Lichtmikroskopie ermöglicht Bilder in bisher ungekannter Schärfe"

Prof. Dr. Stefan W. Hell, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Abteilung NanoBiophotonik, Am Fassberg 11, 37077 Göttingen, Tel: 0551 201-2500, Fax: -2505, eMail: shell@gwdg.de



Hinweise für Redaktionen:
Text und/oder Bilder dürfen im Rahmen der Berichterstattung mit dem angegebenen Quellennachweis verwendet werden. Weitere Bilder können Sie vom Website des Deutschen Zukunftspreises herunterladen. Bitte lassen Sie uns Belegexemplare zukommen.



PDF der Pressemeldung   (English Version)  -   This PR in English






MPIbpc: Presse und Öffentlichkeitsarbeit