Geschickt gebaut - Struktur einer zellulären Kraftstoffpipeline entschlüsseltEinem interdisziplinären Team von Wissenschaftlern der Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie (Göttingen), Biochemie (Martinsried) sowie Entwicklungsbiologie und biologische Kybernetik (beide Tübingen) ist es gelungen, die Struktur eines lebenswichtigen Transportkanals in den "Kraftwerken" der Zelle - den Mitochondrien - aufzuklären. Über diesen Weg werden Zellen nicht nur mit Energie und Stoffwechselprodukten, sondern auch mit "Befehlen" zum Zell-Selbstmord versorgt. Die Ergebnisse der Forscher erlauben wichtige neue Einblicke in die Funktionsweise des Proteinkanals. Dieser könnte ein wichtiges Angriffsziel für neue Medikamente darstellen, um Autoimmunerkrankungen und neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs zu behandeln. (PNAS, 7. Oktober 2008) Ohne Energie geht auch in lebenden Zellen gar nichts. Damit Zellen ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen können, müssen ihre "Kraftwerke" fortlaufend Energie erzeugen. Diese wird in Form der zellulären Energiewährung (sogenanntes ATP) über die beiden Hüllmembranen der Mitochondrien zu jedem Ort der Zelle transportiert. Bis zu 75 kg ATP verbraucht ein Mensch pro Tag. Als Haupt-Transportweg durch die äußere Hüllmembran der Mitochondrien dient dabei ein großer Proteinkanal, das Porin (VDAC). Doch dient der Kanal keineswegs nur dem Transport lebenswichtiger Energie und Stoffwechselprodukte.
Anweisung zum Zell-Selbstmord verschicken Max-Planck-Forschern ist es jetzt gelungen, die Struktur dieses lebenswichtigen Transportkanals zu entschlüsseln. Eine erste experimentelle Hürde meisterten die Nachwuchswissenschaftler Monika Bayrhuber vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und Thomas Meins vom Max-Planck-Institut für Biochemie. Ihnen gelang es, das VDAC-Protein aus seiner festen Verankerung mit der Hüllmembran zu lösen. Zum Ziel führte die Wissenschaftler aber erst die Kombination zweier unterschiedlicher strukturbiologischer Methoden, der Kernspinresonanzspektroskopie und der Röntgenkristallographie. Die Ergebnisse setzte Michael Habeck vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik schließlich geschickt zur richtigen Struktur zusammen. Sie erlaubt den Forschern wichtige Aufschlüsse über die mögliche Funktionsweise des Transportkanals beim Menschen. Wie ein Fass ohne Deckel und Boden
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"Unser Ziel ist es nun, kleine Moleküle zu finden, die die Struktur des VDAC derart beeinflussen, dass sich der Kanal nicht mehr öffnen oder schließen kann", erklärt der Göttinger Chemiker Christian Griesinger. Derartige Moleküle könnten zukünftig wichtige Impulse zur Medikamentenentwicklung liefern, um Autoimmunerkrankungen und neurodegenerativen Krankheiten zu behandeln - Krankheiten, bei denen der unkontrollierte Zell-Selbstmord einen wichtigen Part zu übernehmen scheint. Originalveröffentlichung: Monika Bayrhuber, Thomas Meins, Michael Habeck, Stefan Becker, Karin Giller, Saskia Villinger, Clemens Vonrhein, Christian Griesinger, Markus Zweckstetter, Kornelius Zeth(2008): Structure of the human voltage dependent anion channel. Proc. Nat. Acad. Sci. USA 105: 15370-15375. Verwandte Links: [1] Die Abteilung "NMR-basierte Strukturbiologie", Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen [2] Die Forschungsgruppe "Strukturbiologie", Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Tübingen Kontakt: |