ERC Starting Grant geht an Adam Lange

9. August 2013

Der Physiker Adam Lange vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie erhält knapp 1,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (ERC), um die Infektionsmechanismen pathogener Bakterien im molekularen Detail zu erforschen. Mit dem „Starting Independent Researcher Grant“ unterstützt die Europäische Union exzellente Forscher beim Aufbau oder bei der Weiterentwicklung einer eigenen Arbeitsgruppe.

In der sechsten und letzten Wettbewerbsrunde des ERC für Starting Grants wurden 3329 Anträge eingereicht. Insgesamt bewilligte der ERC davon 287 Anträge mit einem Gesamtbudget von 400 Millionen Euro. Damit entspricht die Erfolgsquote rund neun Prozent. Adam Lange, Leiter der Forschungsgruppe Festkörper-NMR-Spektroskopie am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, ist einer der Preisträger. Er erhält den Starting Grant für die Aufklärung der Strukturen des molekularen Angriffswerkzeugs von Bakterien.

Preisträger Adam Lange und EU-Koordinator Joachim Bormann (v. l.).

Um ihre Wirtszellen zu infizieren, nutzen Krankheitserreger ein ganzes Arsenal an molekularen Waffen, die aus zahlreichen Proteinen zusammengebaut werden. Dazu zählen beispielsweise die sogenannten Typ 3-Sekretionssysteme. Diese Miniatur-Spritzen werden von vielen Bakterien wie Salmonellen und Shigellen genutzt, um Proteine in die Wirtszelle einzuschleusen. Dort manipulieren sie wichtige Stoffwechselvorgänge und setzen die Immunabwehr des Wirts außer Gefecht – mit fatalen Folgen. Der Erreger kann sich nun ungehindert im Organismus ausbreiten.

Adam Lange erklärt: „Um die Funktion solcher molekularen Angriffswerkzeuge besser zu verstehen, ist es wichtig, ihre dreidimensionale Struktur in atomarer Auflösung zu kennen. Allerdings können wir diese aufgrund ihrer Größe und Form nur sehr schwer mit üblichen Methoden der Strukturaufklärung wie der Röntgen-Kristallografie oder der Kryo-Elektronenmikroskopie untersuchen. Sie sind unlöslich und lassen sich nicht kristallisieren.“ Um die dreidimensionalen atomaren Strukturen der bakteriellen Injektionsmaschinen aufzuklären, setzt der Physiker daher auf eine neue NMR-Technik, die er mit den etablierten Methoden kombinieren wird. Lange erhofft sich davon ein besseres Verständnis von den molekularen Prozessen bei Infektionen. „Wenn es gelingt, gezielt in diese Prozesse einzugreifen, könnte dies wichtige Impulse für das Design neuer ‚Anti-Infektiva’ geben, beispielsweise gegen antibiotikaresistente Bakterien“, sagt Joachim Bormann, Leiter des EU-Regionalbüros Niedersachsen der Max-Planck-Gesellschaft.        

Über den Preisträger

Adam Lange studierte von 1997 bis 2002 Physik an der Universität Göttingen. Dort promovierte er im Jahr 2006 mit einer am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie durchgeführten Arbeit auf dem Gebiet der NMR-Spektroskopie. Nach einem zweijährigen Forschungsaufenthalt an der ETH Zürich (Schweiz) kehrte der Emmy-Noether-Preisträger 2008 an das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie zurück. Dort leitet er seitdem die Forschungsgruppe Festkörper-NMR-Spektroskopie. (jb/cr)

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