Göttinger Nachwuchsforscher wird mit Otto-Hahn-Medaille geehrt

June 01, 2011

Der Biologe Thomas Güttler erhält für seine Arbeiten am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie die Otto-Hahn-Medaille 2010. Mit diesem Preis zeichnet die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) jedes Jahr Nachwuchswissenschaftler für herausragende Leistungen aus. Die Medaillen werden von Max-Planck-Präsident Peter Gruss im Rahmen der MPG-Hauptversammlung am 8. Juni in Berlin überreicht. Die Auszeichnung ist mit 5000 Euro dotiert.

Während seiner Promotion in der Abteilung von Dirk Görlich am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie konnte Thomas Güttler einen wichtigen Mechanismus in der zellulären Logistik aufklären. Er fand heraus, wie einer der zentralen zellulären Transporter – das Exportin CRM1 – sein Frachtgut erkennt.

Eine Zelle kann man sich wie eine moderne Fabrik vorstellen, in der verschiedene Arbeitsschritte in unterschiedlichen Räumen vollzogen werden. Um dabei die Kommunikation und den reibungslosen Stoffaustausch zu gewährleisten, verfügt sie über molekulare Transporter, die ihr Frachtgut zuverlässig erkennen und an die Zielorte in der Zelle befördern. Ein wahrer Allrounder unter diesen Transportern ist das Protein CRM1. Es bringt nicht nur eine gewaltige Vielzahl verschiedener zelleigener Moleküle aus dem Zellkern in das Zytoplasma, sondern transportiert auch die Genome vieler Viren, wie das des AIDS-Virus HIV. CRM1 ermöglicht seiner Fracht so, die Barriere zwischen den Reaktionsräumen zu passieren. Aber wie kann der Transporter eine so immense Anzahl verschiedener Transportgüter erkennen?

CRM1 identifiziert sein Frachtgut anhand sogenannter Exportsignale – molekulare "Adress-Etiketten" aus neun bis 14 Aminosäuren, den Bausteinen der Proteine. Dabei ist es in der Lage, schätzungsweise einhundert Trillionen verschiedene Exportsignale zu erkennen. Wie aber CRM1 diese verblüffende Vielseitigkeit erreicht, war Forschern bislang ein Rätsel. Güttler gelang es, seine Struktur in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Abteilung Molekulare Strukturbiologie der Universität Göttingen zu untersuchen. Dabei fand er heraus, dass nur ein einziger kleiner Bereich des komplexen Biomoleküls für die Erkennung der verschiedenartigen Exportsignale verantwortlich ist. Überraschenderweise passt sich dieser Abschnitt nicht an die Exportsignale an, sondern erlaubt diesen, in unterschiedlichster Form an den Transporter zu binden.

Die Ergebnisse des Nachwuchsforschers zeigen unter anderem, wie ein Virus die zelluläre Infrastruktur für seine Vermehrung missbraucht. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, neue Therapien zur Behandlung von AIDS zu entwickeln. Für seinen Forschungserfolg zeichnet die Max-Planck-Gesellschaft den jungen Wissenschaftler nun mit der Otto-Hahn-Medaille aus. (vk)

Zur Otto-Hahn-Medaille:
Bis zu 30 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ehrt die Max-Planck-Gesellschaft jährlich mit der im Jahr 1978 geschaffenen Otto-Hahn-Medaille. Sie ist mit einem Preisgeld von 5000 Euro verbunden und wird jeweils während der Hauptversammlung im folgenden Jahr verliehen. Benannt ist der Preis nach dem deutschen Chemiker und Nobelpreisträger Otto Hahn, dem ersten Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft.

Zur Person:
Thomas Güttler studierte Biologie an den Universitäten Jena und Heidelberg und fertigte anschließend seine Doktorarbeit in der Abteilung "Zelluläre Logistik" von Dirk Görlich am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie an. Im September 2010 schloss er seine Promotion mit summa cum laude ab. Seit November 2010 forscht er als Postdoktorand bei Tom A. Rapoport an der Harvard Medical School in Boston (USA).

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