Max-Planck-Institut in Göttingen

Max-Planck-Institut in Göttingen

Nervenmodelle und Membranenpotentiale

Das Max-Planck-Institut für physikalische Chemie in der Bunsenstraße in Göttingen.

Karl Friedrich Bonhoeffer sehnte sich trotzdem zurück in die Forschung und hat gerne die Berufung an das neu gegründete Institut für physikalische Chemie der Max-Planck-Gesellschaft in Göttingen angenommen. Dank seines wissenschaftlichen Rufes hat er sein Göttinger Institut in kurzer Zeit zu einer Hochburg der physikalischen Chemie in Deutschland ausbauen können.


Junge Wissenschaftler, insbesondere Diplomanden und Doktoranden strömten aus allen Teilen Deutschlands zu ihm. Mit diesen untersuchte er weiter die Passiveigenschaften des Eisens und die darauf basierenden Nervenmodelle. Er suchte dann aber nach passenderen Modellen für die Erregungsfortpflanzung der Nerven, die ja auf Ionenaustauschvorgängen an den Nervenmembranen beruhen. Das führte ihn zu Untersuchungen an Membranen aus synthetischem und biologischem Ionenaustauschermaterial, an denen er die Gleichgewichtszustände, die Kinetik der Gleichgewichtseinstellung und die damit verknüpften Membranpotentiale studierte.


Karl Friedrich Bonhoeffer in "seinem" Institut in Göttingen (links) und im Kreise seiner Mitarbeiter (rechts).

Innerlich beschäftigte ihn die Frage, wie aus dem komplizierten Nebeneinander der erregbaren Nervenzellen das Miteinander der abgestimmten Lebensfunktionen, das Bewusstsein, das Gedächtnis und die Denkprozesse entstehen. Er wandte sich damit auch der Kybernetik zu, einer neuen Wissenschaftsrichtung, die solche Probleme zu klären versuchte. Der Tod hat ihn am 15. Mai 1957 aus diesen zukunftsweisenden Plänen herausgerissen. So blieb vieles unvollendet.

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