Langjähriger Max-Planck-Direktor Leo De Maeyer verstorben

28. Juni 2014

Das Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie trauert um seinen emeritierten Direktor Leo C. M. De Maeyer. Am 18. Juni 2014 ist der Forscher im Alter von 86 Jahren verstorben. „Er war ein Wissenschaftler der ersten Stunde an unserem Institut. Mit seinen herausragenden und inspirierenden Forschungsarbeiten hat er Apparaturen in der Molekularbiologie entwickelt, die heute weltweit experimentelle Anwendung finden. Für seine Verdienste um die Wissenschaft und seinen unermüdlichen Einsatz für die Belange des Instituts sind wir Leo De Maeyer zutiefst dankbar“, sagt der Geschäftsführende Direktor des Instituts, Gregor Eichele. „Unser ganzes Mitgefühl gilt nun seinen Angehörigen und Freunden."

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Prof. Dr. Leo De Maeyer

Leo De Maeyers Leidenschaft war ohne Zweifel die Wissenschaft, die er sehr intensiv und mit ansteckender Begeisterung betrieb. Der Chemiker befasste sich im Laufe seiner Karriere mit grundlegenden Problemen der physikalischen Chemie. Bereits kurz nach seiner Promotion kam der gebürtige Belgier im Jahr 1956 mit einem Alexander von Humboldt-Stipendium in die Arbeitsgruppe von Manfred Eigen am damaligen Göttinger MPI für physikalische Chemie. Dort lieferte er wesentliche Beiträge zur Weiterentwicklung der sogenannten Relaxationsmethoden. Mithilfe dieser innovativen Messanordnung gelang es Eigen schließlich, die Geschwindigkeit extrem schneller chemischer Reaktionen zu bestimmen, die bis dahin als unmessbar galten. Im Jahr 1967 wurde Manfred Eigen dafür mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet. Eine lange Publikationsserie von Leo De Maeyer und Manfred Eigen dokumentiert den Fortschritt dieser Technik und die Erweiterung ihres Anwendungsbereichs.

Anfangs wurde diese Methode hauptsächlich für die Aufklärung der Kinetik anorganischer Reaktionen wie der Protonenübertragung und der Bildung von Metallkomplexen angewandt. Später wurden diese auf biochemische Systeme wie Proteine, Nukleinsäuren und Membranen ausgeweitet. Leo De Maeyer hat nicht zuletzt die Verbreitung der Relaxationsmethoden weltweit befördert, indem er eine handliche Temperatursprungapparatur konstruierte. Neben diesem Beispiel für einen erfolgreichen Technologietransfer haben seine experimentellen Methoden in vielen Bereichen der Biologie, Chemie und Physik breite Anwendung gefunden.

Aufgrund seiner äußerst erfolgreichen Forschungsarbeiten wurde De Maeyer im Jahr 1965 zum Wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft ernannt und als Direktor an das MPI für physikalische Chemie berufen. An der Überführung dieses Instituts in das 1971 neu gegründete MPI für biophysikalische Chemie hatte er entscheidenden Anteil. Hier leitete De Maeyer bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1995 die Abteilung Experimentelle Methoden. In den Jahren 1978 bis 1981 unterstand ihm zudem die Instrumentation Division am Heidelberger European Molecular Biology Laboratory.

Kollegen und Mitarbeiter schätzten sein stets offenes Ohr für die Belange seiner Mitmenschen, seine Unterstützung und seinen Humor. Legendär war sein Findungsreichtum, wenn eine Apparatur am Institut den Geist aufgab. Als begnadeter Tüftler scheute er nicht vor Reparaturen zurück, die andere längst aufgegeben hatten – und rettete so manches wertvolle Gerät für die Forschung. (cr)

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