Universität Leipzig

Universität Leipzig

Karl Friedrich Bonhoeffer 1936 in Leipzig.

1934 übernahm Karl Friedrich Bonhoeffer als Nachfolger von M. Le Blanc den physikalisch-chemischen Lehrstuhl an der Universität Leipzig, der 1871 als erster in Deutschland gegründet worden war und den der Altmeister der physikalischen Chemie Wilhelm Ostwald ab 1887 zum internationalen Zentrum dieses Faches ausgebaut hatte.


Elektrochemie und Nervenmodell

Bonhoeffer beschritt ein neues Arbeitsgebiet: Er wandte sich, seinem Leipziger Vorgänger Le Blanc folgend, der Elektrochemie zu und begann eine Serie von Arbeiten über das von Ostwald beschriebene Model der Nervenleitung, wobei er wohl durch seinen Vater, der ja Neurologe war, beeinflusst worden ist. Weitere Informationen über das Ostwald-Lillie-Nervenmodell finden Sie hier.

Die in Frankfurt begonnenen und in Leipzig zunächst weitergeführten Arbeiten über schweres Wasser haben Karl Friedrich Bonhoeffer zum deutschen Spezialisten für Herstellung, Eigenschaften und Handhabung von schwerem Wasser gemacht. Er hat diese Arbeiten aber bei Kriegsbeginn abgebrochen und konnte sich der Mitwirkung am „Uranverein“ entziehen, der während des zweiten Weltkrieges tätig war und dem sein Leipziger Kollege Heisenberg zeitweilig vorstand. Ziel dieser Arbeitsgruppe war die Entwicklung einer „Uranmaschine“, eines Kernreaktors mit schwerem Wasser als Neutronenmoderator, der der Energiegewinnung (und vielleicht auch der Gewinnung von Plutonium zum Bau einer Atombombe) dienen sollte. Wegen Mangel an schwerem Wasser konnte jedoch dieses Ziel nicht verwirklicht werden.

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