Die Bedeutung der Arbeiten von Karl Friedrich Bonhoeffer

Die Bedeutung der Arbeiten von Karl Friedrich Bonhoeffer

Karl Friedrich Bonhoeffer 1952.

Der wissenschaftliche Erfolg von Bonhoeffer lässt sich sicher nicht an der Zahl seiner Veröffentlichungen ablesen, die mit wenig mehr als einhundert - verglichen mit dem heutigen Publikationseifer der Wissenschaftler – eher bescheiden anmutet. Die wissenschaftlichen Ideen sprudelten zwar aus ihm heraus, er verstreute sie in Diskussionen und Anregungen unter seinen Mitarbeitern, er überließ diesen dann aber, die Früchte seiner Ideen in ihren Publikationen zu ernten.


Viele der Schüler von Karl Friedrich Bonhoeffer, die direkt oder indirekt von seiner wissenschaftlichen Brillanz befruchtet waren, haben später an Hochschulen oder in Forschungseinrichtungen eine führende Stellung eingenommen. Einer seiner Schüler und Mitarbeiter, Manfred Eigen, führte in Göttingen die Untersuchungen zur chemischen Kinetik weiter und erhielt dafür 1967 den Nobelpreis für Chemie.


Den Erfolg von Bonhoeffers wissenschaftlicher Brillanz können wir aber messen an der Zahl weiterer Berufungen oder Berufungsanfragen, die er vor bzw. nach dem Kriege erhielt, die er aber ablehnte: Bonn, Breslau, Cambridge, Mass. (Harvard University), Charkov, Chikago, Halle, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, München, Zürich. Oder wir können ihn messen an den äußeren Ehrungen, die er erhielt, aber nie suchte: er war Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle, der deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin, korrespondierendes Mitglied der Bayrischen Akademie der Wissenschaften in München und Ehrenmitglied der New York Academy of Sciences. Die Göttinger Universität ernannte ihn später zum Honorarprofessor. Er war Inhaber der Bunsendenkmünze der Deutschen Bunsengesellschaft (1955), deren Vorsitzender er 1951 und 1952 war, posthum wurde ihm die Palladiummedaille der Electrochemical Society verliehen.


Bronze-Halbrelief von Karl Friedrich Bonhoeffer.

Als größte Ehrung hätte Karl Friedrich Bonhoeffer sicher die Namensgebung des 1971 in Göttingen neu erbauten Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie empfunden: Karl-Friedrich-Bonhoeffer-Institut, wodurch auch seine Bemühungen, die Vorgänge des Lebens durch physikalisch-chemische Modelle zu deuten, geehrt worden sind. Und Bonhoeffer hätte sicher mit Freuden die Arbeiten von Erwin Neher und Bert Sakmann verfolgt, die in diesem Institut im Sinne von Karl Friedrich Bonhoeffer durch elektrophysiologische Potentialmessungen an biologischen Membranen die neuronale Signalleitung und die Aktivierung von erregbaren Zellen untersucht und die grundlegenden Mechanismen der Kommunikation zwischen Zellen aufgeklärt haben. Neher und Sakmann erhielten dafür gemeinsam 1991 den Nobelpreis. Und somit hat das nach ihm benannte Institut mit diesen beiden, Manfred Eigen und Stefan Hell bereits vier Nobelpreisträger erlebt.

Das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (Karl-Friedrich-Bonhoeffer-Institut) in den 1970er Jahren.
Zur Redakteursansicht