Energiewende, Meisterwerke und die Suche nach dem „Ich“

Internationale Spitzenforscher stellen wieder Faszinierendes aus der Welt der Forschung bei der Reihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ in der Paulinerkirche vor

16. September 2014

Existieren wir nur dank einer Reihe glücklicher Zufälle? Warum sind manche Musikstücke Meisterwerke und andere nicht? Welche Wege gibt es aus der Energiekrise? Um diese und viele weitere Fragen geht es bei der diesjährigen Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“. Zum achten Mal präsentieren renommierte Wissenschaftler und Wissenschaftspublizisten in der Göttinger Paulinerkirche Neues und Überraschendes aus ihrer Forschung. Vom 10. bis 19. Oktober geht es an den Veranstaltungstagen jeweils um 19 Uhr auf einen abwechslungsreichen und spannenden Streifzug durch die internationale Spitzenforschung: Diskutieren Sie mit, ob zu Themen aus den Natur- und den Wirtschaftswissenschaften, der Psychologie oder der Musik.

„Glück gehabt!“ So beantwortet Olaf Fritsche im ersten Vortrag der Reihe am Freitag, 10. Oktober, die Frage, warum es den Menschen überhaupt gibt. Vom Urknall bis in unsere Zeit hat der Biologe und Wissenschaftsjournalist zwölf Wendepunkte ausgemacht, an denen die Entstehung des modernen Menschen genauso gut hätte scheitern können. Doch es ging gut aus für den Homo sapiens – oder war wirklich alles nur Glück? Mit seinem Vortrag eröffnet Olaf Fritsche die Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“. In die Welt der Musik entführt die Musikwissenschaftlerin Melanie Wald-Fuhrmann die Besucher am Samstag, 11. Oktober. Sie hat untersucht, wie der Kanon der Musik entstanden ist: Warum gelten manche Stücke als Meisterwerke, während andere vergessen werden? Erst erstaunlich spät hat diese Debatte in der Musik begonnen. Der Ökonom Marcel Fratzscher spricht im dritten Vortrag am Sonntag, 12. Oktober, über die „Deutschland-Illusion“. Gerne wird Deutschland als stabiles Land im wirtschaftlich unsicheren Europa dargestellt. Marcel Fratzscher sieht das ganz anders. Warum die deutsche Wirtschaft überschätzt wird und wir Europa dringend brauchen, wird er in seinem Vortrag erklären.

Hans-Peter Herberhold (Mitte), Geschäftsführer der Göttinger Literaturherbst GmbH, stellte gemeinsam mit den Max-Planck-Direktoren Stephan Herminghaus (links) und Nils Brose das Programm der Wissenschaftsreihe vor.

„Wer bin ich?“, fragt Eva Jaeggi am Dienstag, 14. Oktober. Die humorvolle Antwort in ihrem neuen Buch lautet: Frag doch die anderen! Die Psychologin beschäftigt sich mit der komplexen Frage, wie Identität entsteht und sich verändert. Dabei erörtert sie kritisch aktuelle Positionen zur Identitätsbildung. Am Donnerstag, 16. Oktober, geht es bei Ortwin Renn um das „Risikoparadox“. Immer neue Schreckensbotschaften – von BSE bis zum Elektrosmog – verbreiten Unsicherheit und Angst. Aber sind das wirklich echte Gefahren? Oder war die Bedrohung am Ende doch nicht so groß wie es uns vermittelt wurde? Der anerkannte Risikoforscher spricht in seinem Vortrag über die zentralen Risiken der Zukunft und den besten Umgang mit ihnen. Beim Vortrag am Freitag, 17. Oktober, mit Heinrich Hemme laden 101 mathematische Kopfnüsse aus vier Jahrtausenden und fünf Kontinenten die Besucher zum Denksport ein. Der Mathematiker und Physiker präsentiert anspruchsvolle Rätsel und verrät, wie sie entstanden sind.


Am Samstag, 18. Oktober, stellt Max J. Kobbert die Wunderwelt des Bernsteins vor. Bis zu 100 Millionen Jahre alte Fossilien wie feingliedrige Libellen, Skorpione oder Spinnen samt ihrer Netze präsentiert der Wahrnehmungspsychologe in Göttingen. Mit einer Stereobrille wird jeder Besucher die Fossilien dreidimensional in brillanter Schärfe bewundern können. Den Abschluss der Reihe am Sonntag, 19. Oktober, bildet der Vortrag von David J.C. MacKay, Regiusprofessor an der Universität Cambridge (England). Er ist gleichzeitig der Preisträger der Science Communication-Medaille, die dieses Jahr zum ersten Mal im Rahmen der Wissenschaftsreihe verliehen wird. David J.C. MacKay wird damit für seine besonderen Verdienste geehrt, wissenschaftliche Ergebnisse der Öffentlichkeit zu vermitteln. Der Physiker ist seit dem Jahr 2009 der leitende wissenschaftliche Berater des britischen Ministeriums für Energie und Klimawandel. Mit präzisen Zahlen und Fakten stellt er sich den zentralen Fragen zur Energiewende und zu nachhaltiger Energie. „Heiße Luft“ wird es in dieser Debatte auf jeden Fall nicht geben. David J.C. MacKay wird den Vortrag in englischer Sprache halten.


„Ich freue mich sehr, dass wir für diese einzigartige Reihe wieder bekannte Namen aus der Wissenschaft gewinnen konnten, die mit interessanten Themen zum Nachdenken und Diskutieren einladen“, so Johannes-Peter Herberhold, Geschäftsführer der Göttinger Literaturherbst GmbH.


Moderiert wird die Veranstaltungsreihe wie in den vergangenen Jahren von Wissenschaftlern der Göttinger Max-Planck-Institute und der Universität Göttingen. Ausrichter sind die Göttinger Literaturherbst GmbH, die Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie, für Experimentelle Medizin und für Dynamik und Selbstorganisation sowie die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.



Die Vorträge finden vom 10. bis 19. Oktober an den Veranstaltungstagen jeweils um 19 Uhr in der Paulinerkirche (Papendiek 14) statt. Der Eintritt kostet im Vorverkauf und als Online-Ticket 13 Euro, ermäßigt 11 Euro. An der Abendkasse beträgt der Kartenpreis 15 Euro, ermäßigt 13 Euro. Im Vorverkauf sind die Karten erhältlich im Festivalbüro des Göttinger Literaturherbstes (Hospitalstraße 12), im Deutschen Theater (Theaterplatz 11), im Extra Tip-Ticketshop (Prinzenstraße 10-12), beim GT-Ticketservice (Jüdenstraße 13c) und beim Ticket-Service im Alten Rathaus (Markt 9). Die Karten können darüber hinaus online unter www.reservix.de bestellt werden. Eine telefonische Kartenbuchung ist unter 0551 499-8031 möglich. (lw)

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