BINDER Innovationspreis 2016 für Melina Schuh

21. März 2016

Melina Schuh, Direktorin am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie, hat den diesjährigen BINDER Innovationspreis erhalten. Mit dieser Auszeichnung ehrt die Deutsche Gesellschaft für Zellbiologie (DGZ) in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen BINDER jedes Jahr herausragende Arbeiten im Bereich der Zellbiologie. Melina Schuh wurde ausgezeichnet für ihre Erkenntnisse darüber, wie sich befruchtungsfähige Eizellen entwickeln. Ihre Forschung kann helfen, mögliche Ursachen für Unfruchtbarkeit und chromosomale Defekte wie das Down-Syndrom besser zu verstehen. Der Preis wurde ihr am 14. März 2016 im Rahmen des diesjährigen internationalen Kongresses der DGZ in München überreicht.

Bevor eine Eizelle befruchtungsfähig wird, muss sie eine spezielle Zellteilung – Meiose genannt –  durchlaufen. Die Zelle halbiert dabei den zuvor doppelt vorhandenen Chromosomensatz, sodass die reife Eizelle nur noch eine Kopie jedes Chromosoms enthält. Fehler bei diesem Prozess sind die häufigste Ursache für Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit oder Anomalien wie das Down- oder Klinefelter-Syndrom. Über die Details bei der Trennung der Chromosomen ist jedoch noch immer wenig bekannt.

Dr. Melina Schuh

Melina Schuh möchte mit ihrem Team der Abteilung Meiose am MPI für biophysikalische Chemie aufklären, wie es bei der Chromosomen-Trennung zu Fehlern kommt und ob sich die Genauigkeit bei diesem Vorgang erhöhen lässt. Auch will die Wissenschaftlerin herausfinden, weshalb die Fruchtbarkeit der Frau mit dem Alter nachlässt.

Dafür haben die Biochemikerin und ihre Mitarbeiter neue Methoden entwickelt, mit denen sich die Meiose von Eizellen in Säugetieren im Detail untersuchen lässt. Einige bedeutende Ursachen für Fehler während dieses Prozesses konnte sie bereits aufklären. So fand sie heraus, dass sich mit zunehmendem Alter einer Frau die Chromosomen-Architektur in den Eizellen ändert. Dies kann dazu führen, dass die Halbierung des Chromosomensatzes nicht korrekt abläuft und die reife Eizelle zu viele oder zu wenige Chromosomen enthält.

Melina Schuhs Forschungsarbeiten tragen so dazu bei, im molekularen Detail aufzuklären, warum Kinder älterer Frauen häufiger unter Chromosomenanomalien leiden als die jüngerer. Diesen Beitrag zur Grundlagenforschung über die Entwicklung befruchtungsfähiger Eizellen ehrt die DGZ nun mit dem BINDER Innovationspreis. (am)

Über die Preisträgerin

Melina Schuh studierte Biochemie an der Universität Bayreuth und promovierte 2008 am European Laboratory of Molecular Biology (EMBL) sowie an der Universität Heidelberg. Im Anschluss wechselte sie nach Cambridge (England), wo sie von 2009 bis Ende 2015 als Gruppenleiterin am renommierten MRC Laboratory of Molecular Biology forschte. Seit Januar dieses Jahres ist sie im Hauptamt als Direktorin am MPI für biophysikalische Chemie tätig. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem John Kendrew Award, dem Young Scientist Biochemical Society Early Career Award und dem Lister Research Prize.

Über den BINDER Innovationspreis

Der BINDER Innovationspreis wird seit 1998 jährlich von der DGZ für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der zellbiologischen Grundlagenforschung vergeben. Das Preisgeld von 4000 Euro wird vom Laborgeräte-Hersteller BINDER gestiftet.

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