Langjähriger Max-Planck-Direktor Victor P. Whittaker verstorben

22. Juli 2016

Das Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie trauert um seinen emeritierten Direktor Victor P. Whittaker. Der Neurochemiker verstarb am 5. Juli 2016 im Alter von 97 Jahren in Cambridge (Großbritannien). 

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Prof. Dr. Victor P. Whittaker

„Herr Whittaker stand auf seinem Forschungsgebiet, der Neurochemie, international an der Spitze. Seinen innovativen Methoden verdanken wir ganz wesentliche Erkenntnisse darüber, wie Nervenzellen miteinander kommunizieren. Für seine großen Verdienste um die Forschung und seinen engagierten Einsatz für den wissenschaftlichen Nachwuchs sind wir Herrn Whittaker zutiefst dankbar“, sagt Herbert Jäckle, Geschäftsführender Direktor des MPI für biophysikalische Chemie. „Unser ganzes Mitgefühl gilt nun seinen Angehörigen und Freunden.“

Dank origineller Forschungsansätze war es Victor Whittaker als Erstem gelungen, Nervenendigungen (Synapsen) vom Nervengewebe abzutrennen und zu isolieren. Diese sogenannten Synaptosomen eröffneten völlig neue Möglichkeiten, die Signalübertragung zwischen Nervenzellen im Reagenzglas zu untersuchen. Synaptosomen gehören heute zum Standard-Repertoire eines jeden neurobiologischen Labors. Darüber hinaus erbrachte Whittaker den entscheidenden Nachweis, dass Membranbläschen (sogenannte synaptische Vesikeln) Botenstoffe enthalten, die die Übertragung von Signalen zwischen Nervenzellen vermitteln. 

Neben seiner Forschungstätigkeit war es Whittaker ein großes Anliegen, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern: Er hat eine Reihe sehr erfolgreicher Neurobiologen ausgebildet, darunter den späteren Nobelpreisträger Thomas C. Südhof, der seine Doktorarbeit in Whittakers Abteilung Neurochemie am MPI für biophysikalische Chemie anfertigte. „Victor Whittaker war der führende molekulare und zelluläre Neurowissenschaftler seiner Zeit, dessen Beiträge das Forschungsgebiet maßgeblich geformt haben. Er war immer bereit, seine Leidenschaft für die Wissenschaft und sein enzyklopädisches Wissen zu teilen. Ich durfte von ihm eine enorme Menge lernen. Er wird schmerzlich vermisst werden“, so Thomas Südhof.

Der gebürtige Brite Victor Whittaker wechselte nach seinem Studium der Chemie und Biochemie in Oxford (Großbritannien) zunächst als Fakultätsmitglied an das College of Medicine der University of Cincinnati (USA) und forschte anschließend am Institute of Animal Physiology in Babraham (Großbritannien). 1966 ernannte ihn die University of Cambridge (Großbritannien) zum Sir William Dunn Reader in Biochemie. Von 1967 bis 1971 war er darüber hinaus Chief Research Scientist am New York Institute for Basic Research in Mental Retardation (USA). Im Jahr 1973 ernannte die Max-Planck-Gesellschaft Whittaker zu ihrem Wissenschaftlichen Mitglied. Gleichzeitig berief ihn das MPI für biophysikalische Chemie als Direktor, wo er bis zu seiner Emeritierung 1987 die Abteilung Neurochemie leitete. Auch nach seiner Emeritierung war er dort weiter wissenschaftlich aktiv, bevor er schließlich nach Cambridge zurückkehrte. Bis zuletzt blieb Whittaker dem MPI für biophysikalische Chemie eng verbunden und fuhr noch mit über 90 Jahren für Institutsbesuche mit dem eigenen Auto die Strecke von Cambridge nach Göttingen. Bis ins hohe Alter war er zudem ein treuer Besucher der jährlichen Göttinger Händelfestspiele. (cr)

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