Wie Wissenschaft uns zu besseren Menschen macht

Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst 2016

27. September 2016

Von Superorganismen über den Klimawandel bis hin zur Physik der Kultserie Star Trek – die Themen der zehnten Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“, die vom 21. bis 30. Oktober stattfindet, lassen kaum Wünsche offen. Vier Göttinger Max-Planck-Institute sowie die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen haben neun renommierte Forscherpersönlichkeiten und Wissenschaftsautoren eingeladen, in spannenden, aufrüttelnden und allgemein verständlichen Vorträgen über ihre neuesten Bücher zu berichten. Besucherinnen und Besucher bekommen jeweils um 19 Uhr im Alfred-Hessel-Saal der Paulinerkirche die Gelegenheit,  Neues zu erfahren über außerirdisches Leben, den Klimawandel, soziale Insekten, wahre Klugheit und weitere Themen. Im Anschluss darf natürlich wieder lebhaft mitdiskutiert werden.

Theo Geisel vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Walter Stühmer vom Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, Gregor Eichele vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und Johannes-Peter Herberhold von der Göttinger Literaturherbst GmbH (von links) stellten auf der Pressekonferenz zur Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ die diesjährigen Sprecher vor.

Als erste Vortragende eröffnet Lisa Kaltenegger die Reihe am Freitag, 21. Oktober, mit einem Thema, bei dem sich die Geister scheiden: Über Außerirdische werden nicht selten die wildesten Theorien entwickelt. Doch die Astrophysikerin geht der Frage, ob wir die einzigen Lebewesen im Universum sind, ganz sachlich auf den Grund. Bei ihrer Arbeit an der Cornell University sucht sie nach Anzeichen für Leben in den Atmosphären erdähnlicher Planeten. Sie berichtet in ihrem Vortrag, was sie und ihre Kollegen bisher entdecken konnten.

Eine Ameisenstraße in der Küche ist äußerst lästig – und doch reflektiert sie die perfekte Organisation des Ameisenstaates. Bert Hölldobler entführt uns am Samstag, 22. Oktober, in eine Welt, die unserer erstaunlich ähnlich ist. Denn Kommunikation, Arbeitsteilung und gegenseitige Hilfe innerhalb des „Superorganismus“ Insektenstaat machen den Erfolg des Zusammenlebens aus – auch in Konfliktsituationen. In seinem Vortrag gewährt der Biologe Einblick in seine faszinierenden Erkenntnisse aus jahrzehntelanger Forschung über solche Superorganismen.

Was ist Klugheit? Und warum sind selbst kluge Menschen vor dummen Handlungen nicht gefeit? Der Schweizer Psychologe Allan Guggenbühl zieht in seinem Vortrag „Die vergessene Klugheit“ am Sonntag, 23. Oktober, interessante Beispiele aus Politik, Bildung und Wirtschaft heran, um zu zeigen, dass ein großer Wissensschatz noch nicht reicht, um klug zu sein – und plädiert dafür, sich mehr auf den eigenen Verstand zu verlassen anstatt dem Mainstream zu folgen.

In der Serie Star Trek reist das Raumschiff Enterprise mit Warp-Antrieb zu Galaxien fern unserer Milchstraße. Pure Science-Fiction oder doch vielleicht irgendwann möglich? Wissenschaftlich fundiert und zugleich verständlich und unterhaltsam erklärt Metin Tolan, Professor für experimentelle Physik, wo in der Kultserie die Welt des physikalisch Möglichen endet und die der Fantasie beginnt. Der Vortrag am Dienstag, 25. Oktober, wird nicht nur Trekkies Freude bereiten!

„Um jedes Zehntelgrad kämpfen“ – dazu ruft Hans Joachim Schellnhuber Politiker und Bevölkerung im Kampf gegen den Klimawandel auf. Wenn wir weiter in so hohem Maße fossile Energieträger verbrennen, müssten wir Ende des Jahrhunderts mit einer Erderwärmung von drei bis vier Grad Celsius rechnen. So lautet die aufrüttelnde These des Klimaforschers. Er fasst den aktuellen Kenntnisstand zum Thema Klimawandel in seinem Vortrag „Selbstverbrennung“ am Mittwoch, 26. Oktober, verständlich zusammen und zieht daraus seine Schlussfolgerungen – schonungslos ehrlich und hochinformativ.

Johannes-Peter Herberhold, Gregor Eichele, Walter Stühmer und Theo Geisel (von links).

Die Renaissance brachte der Menschheit große Gelehrte, eine Explosion an Wissen und Entdeckungen auf der einen Seite – die Pest, die Bauernkriege und die Inquisition auf der anderen Seite. Der Südafrikaner Ian Goldin, Professor für Globalisierung und Entwicklung an der Oxford Martin School, zeigt, dass wir heute – wie damals – vor einem großen Umschwung stehen. In seinem englischsprachigen Vortrag „Age of Discovery“ am Donnerstag, 27. Oktober, erklärt er, warum diese „zweite Renaissance“ besser gelingt, wenn wir aus der ersten lernen.

Unsere Gesellschaft wird immer komplexer – die alten Grenzen zwischen rechts und links, liberal und sozialdemokratisch, konservativ und progressiv verschwimmen mehr und mehr. Der Soziologieprofessor Armin Nassehi plädiert für eine neue, komplexe Denkweise, die Instabilität und Anderssein mit einbezieht. Zugleich fordert er uns auf, die gegenwärtige Gesellschaft jenseits politischer Schubladen zu begreifen. Wie wir das schaffen, darüber berichtet er in seinem Vortrag „Die letzte Stunde der Wahrheit“ am Freitag, 28. Oktober.

Was entscheidet, ob wir erfolgreich sind im Leben, ob glücklich, ob gesund? Sind es unsere Gene oder doch unsere Umwelt? Diesen Fragen geht die Britin Helen Pearson, Wissenschaftsjournalistin und promovierte Genetikerin, auf den Grund. Auf unterhaltsame Weise erzählt sie in englischer Sprache über die Werdegänge tausender Menschen, deren Leben seit ihrer Geburt im Jahr 1946 von Wissenschaftlern aufgezeichnet und ausgewertet wurden. Am Samstag, 29. Oktober, deckt sie in „The Life Project“ überraschende Erkenntnisse auf, die darüber zu denken geben, wie wir – beeinflusst von Eltern, Lehrern und Politikern – unser Leben gestalten.

Im 18. Jahrhundert befreiten sich die Menschen während der Aufklärung von alten Dogmen und Autoritäten und erforschten stattdessen die Welt mit wissenschaftlichen Methoden – nicht nur die sichtbare Welt, sondern auch die menschliche Psyche und Moral. Michael Shermer, Psychologe, Wissenschaftshistoriker sowie Gründer und Direktor der Skeptics Society, zeigt in seinem englischsprachigen Vortrag „The Moral Arc“ am Sonntag, 30. Oktober, wie wissenschaftliche Denkansätze uns helfen, eine gerechtere moralische Gesellschaftsordnung zu schaffen.

Science Communication-Medaille

Für seine herausragenden Verdienste, komplexe Themen einem breiten Publikum verständlich zu vermitteln, erhält Metin Tolan die diesjährige Science Communication-Medaille. Diese Auszeichnung wird jährlich im Rahmen der Vortragsreihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ an Menschen verliehen, die sich besonders dafür einsetzen, wissenschaftliche Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Metin Tolan beschäftigt sich in mehreren Büchern und zahlreichen Vorträgen auf unterhaltsame Weise mit der Physik etwa des Fußballspiels oder bei James Bond – und rückt damit diese naturwissenschaftliche Disziplin ins Licht der Öffentlichkeit. Im letzten Jahr erhielt der deutsche Astrophysiker und Fernsehmoderator Harald Lesch die Medaille.

„Mit unserer renommierten Wissenschaftsreihe beim Göttinger Literaturherbst erreichen wir jedes Jahr mehrere Tausend Menschen. Auch dieses Jahr ­– das zehnte Jahr der Reihe – haben wir wieder eine tolle Auswahl an Vortragenden gewinnen können“, freut sich Johannes-Peter Herberhold, Geschäftsführer der Göttinger Literaturherbst GmbH. „Dazu haben die vier organisierenden Göttinger Max-Planck-Institute sowie die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek maßgeblich beigetragen, denn sie haben die Sprecherinnen und Sprecher eingeladen. Außerdem stellen sie die Moderatoren für die Vorträge und ermöglichen damit angeregte Diskussionen zwischen den Vortragenden, Göttinger Wissenschaftlern und dem Publikum. Dafür danken wir diesen Einrichtungen sehr herzlich“, so Herberhold.

Karten und Preise

Die Vorträge finden vom 21. bis 30. Oktober an den Veranstaltungstagen jeweils um 19 Uhr im Alfred-Hessel-Saal der Paulinerkirche statt. Der Eintritt kostet im Vorverkauf und als Online-Ticket 13 Euro, ermäßigt 11 Euro. An der Abendkasse beträgt der Kartenpreis 14 Euro, ermäßigt 12 Euro. Wer ein Kultursemesterticket hat, hat an der Abendkasse freien Eintritt, sollte die Veranstaltung nicht ausverkauft sein. Im Vorverkauf sind die Karten erhältlich im Festivalbüro des Göttinger Literaturherbstes (Hospitalstraße 12) und unter www.literaturherbst.com, im Deutschen Theater (Theaterplatz 11), im Extra Tip-Ticketshop (Prinzenstraße 10-12), bei GT Tickets (Weender Straße 44), beim Ticket-Service im Alten Rathaus (Markt 9) und in der Buchhandlung Thalia (Weender Straße 36). In vielen umliegenden Orten sind ebenfalls Tickets bei reservix-Vorverkaufsstellen erhältlich. Die Karten können darüber hinaus online unter www.reservix.de bestellt werden. Eine telefonische Kartenbuchung ist unter 0551 499-8031 möglich.

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