Göttinger Exzellenzcluster für interdisziplinäre biomedizinische Forschung bewilligt

27. September 2018

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat haben die Förderung des Göttinger Exzellenzclusters „Multiscale Bioimaging: von molekularen Maschinen zu Netzwerken erregbarer Zellen“ (MBExC: Multiscale Bioimaging: From Molecular Machines to Networks of Excitable Cells) bekannt gegeben. Der Exzellenzcluster erhält in den nächsten sieben Jahren eine Förderung von bis zu 56 Millionen Euro.

Im Rahmen der Entscheidung für die Förderung von Exzellenzclustern haben heute, am Donnerstag, dem 27. September 2018, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat ihre Entscheidungen bekannt gegeben. An der Universität Göttingen wird der beantragte Exzellenzcluster „Multiscale Bioimaging: von molekularen Maschinen zu Netzwerken erregbarer Zellen“ gefördert. Die Sprecherfunktion hat die Universitätsmedizin Göttingen (UMG). 

Forschende bei der Aufnahme nanophotonischer Abbildungen. 

„Über diesen Erfolg in dem bundesweiten Exzellenzstrategie-Wettbewerb der Universitäten freuen wir uns sehr“, so der Dekan der Medizinischen Fakultät an der UMG, Heyo K. Kroemer. „Das erfolgreiche Konzept für den bewilligten Exzellenzcluster bestätigt erneut die Innovationskraft und das herausragende Forschungsniveau der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Göttingen Campus. Dieses wird in den kommenden Jahren wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der Lebenswissenschaften erzielen und damit den weltweit renommierten Wissenschaftsstandort Göttingen weiter profilieren.“ Der Geschäftsführende Direktor des Max-Planck-Instituts für Experimentelle Medizin, Klaus-Armin Nave, sagt: „Der MBExC Cluster steht für die enge Zusammenarbeit von Universitätsmedizin Göttingen und Universität mit den Göttinger Max-Planck-Instituten und wird in der Lage sein, ein ganzes Forschungsfeld der Zukunft zu erschließen.“

Der neue Exzellenzcluster MBExC verfolgt einen neuartigen Forschungsansatz, indem es die Neurowissenschaften und die Herz-Kreislaufforschung miteinander verknüpft. Die elektrisch erregbaren Herz- und Nervenzellen weisen überraschend viele physiologische Gemeinsamkeiten auf. Sie nutzen ähnliche molekulare Funktionseinheiten, deren Defekte zu Krankheiten von Herz- und Nervensystem führen. Ziel dieses Exzellenzclusters ist es daher, solche krankheitsrelevanten Funktionseinheiten von Herz- und Nervenzellen zu entschlüsseln. „Dieses Ziel kann nur durch integrierende Erforschung dieser Funktionseinheiten von der molekularen bis hin zur Organebene im Herz- und Nervensystem erreicht werden. Dies ist erst seit Kurzem aufgrund radikaler Durchbrüche in der Bildgebung wie der optischen Nanoskopie, der Röntgenmikroskopie und der Elektronentomographie möglich“, sagt der Sprecher des Exzellenzclusters, Tobias Moser, Direktor des Instituts für Auditorische Neurowissenschaften an der UMG. „Auf den gewonnenen neuen Einsichten in die Funktion und Störungen beider Systeme werden wir die Entwicklung innovativer kardiologischer und neurologischer Therapieansätze aufbauen.“  

Die Etablierung des MBExC verstärkt auch die Ausbildung und Förderung exzellenter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, denen der MBExC nahtlose Karrieremöglichkeiten bietet. „Durch interdisziplinäre Ausbildung im neuen Hertha-Sponer-College wird eine neue Generation von Forscherinnen und Forschern lernen, Naturwissenschaften und biomedizinische Forschung zu verbinden“, so Claudia Steinem, Ko-Sprecherin des MBExC, Institut für Organische und Biomolekulare Chemie.

Herausragendes Merkmal des bewilligten Exzellenzclusters ist die enge interdisziplinäre Verflechtung der Universitätsmedizin Göttingen mit den Fakultäten für Chemie, Physik, Mathematik und Biologie der Universität und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Göttingen wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. (DZHK), dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE) sowie den Max-Planck-Instituten für biophysikalische Chemie, für Experimentelle Medizin und für Dynamik und Selbstorganisation. „Die außergewöhnliche Kombination von wissenschaftlicher und technologischer Expertise am Standort ermöglicht es uns, grundlegende Prozesse in Zellen und Geweben in ihrer beeindruckenden Komplexität zu untersuchen“, sagt Patrick Cramer, Ko-Sprecher des MBExC, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

In der Förderperiode der nächsten sieben Jahre werden unter anderem neue Professuren und Nachwuchsforschergruppen für den Göttingen Campus gewonnen, neue wissenschaftliche Methoden etabliert und das Hertha-Sponer-College für die interdisziplinäre Forschungsausbildung aufgebaut.

Fritz Kobe / 
Gemeinsame Pressemitteilung der Universitätsmedizin Göttingen und der Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie, für Dynamik und Selbstorganisation sowie für Experimentelle Medizin

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