Ernst-Jung-Preis für Jahn

Reinhard Jahn erhält den Ernst Jung-Preis für Medizin 2006

9. Januar 2006

Anlässlich des 30. Todestages des Stiftungsgründers hat die Ernst-Jung-Stiftung schon jetzt die Preisträger des Jahres 2006 bekannt gegeben. Einer der Preisträger ist Prof. Reinhard Jahn, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen. Er erhält, zusammen mit Prof. Markus Neurath aus Mainz, den mit 250.000 Euro dotierten Ernst Jung-Preis für Medizin 2006. Die Preise werden in einem Festakt am 12. Mai 2006 in Hamburg überreicht.

Reinhard Jahn habe entscheidend zum Verständnis der synaptischen Übertragung im Nervensystem beigetragen, heißt es dazu in der Würdigung der Stiftung. Anders als in technischen Kommunikationssystemen erfolgt die Übertragung elektrischer Signale im Gehirn nicht direkt, sondern über so genannte Synapsen zwischen den Zellen. Dabei setzt, bei elektrischer Erregung, die eine Nervenzelle chemische Botenstoffe frei, die bei der nachgeschalteten Nervenzelle Änderungen bewirken, durch die dort ein neues elektrisches Signal entsteht. Die Ausschüttung der Botenstoffe (Neurotransmitter) erfolgt aus intrazellulären, membranumschlossenen Vesikeln, die auf ein elektrisches Signal hin mit der Außenmembran der Zelle an der Synapse verschmelzen und so die Neurotransmitter freisetzen.

Professor Jahn hat wichtige Arbeiten sowohl zur Aufnahme der Neurotransmitter in synaptische Vesikel als auch insbesondere über den Prozess der Vesikelverschmelzung (Exozytose) geleistet. Er hat essentielle, an dem Prozess beteiligte Proteine identifiziert, die Interaktionen dieser Proteine funktionell und strukturell untersucht und in vitro-Modelle aufgebaut. Seine Arbeiten stellen einen entscheidenden Durchbruch dar nicht nur für das Verständnis der synaptischen Übertragung, deren klinische Bedeutung offensichtlich ist, sondern auch für die Zellbiologie im allgemeinen.

Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung wurde 1967 von dem 1976 verstorbenen Kaufmann, Reeder und Mäzen Ernst Jung gegründet. Seit 1975 ist sie ausschließlich der Humanmedizin gewidmet. Der jährlich verliehene Ernst Jung-Preis für Medizin gehört zu den höchst dotierten Medizinpreisen in Europa. Mit ihm werden bahnbrechende medizinische Forschungen ausgezeichnet und weiter gefördert. Der Stifter starb am 8. Januar 1976, wenige Monate, bevor der Ernst Jung-Preis für Medizin am 18. Mai 1976 zum ersten Mal verliehen wurde.

Weitere Informationen:

www.jung-stiftung.de

www.mpibpc.mpg.de/groups/jahn/

Rückfragen bitte an:

Prof. Dr. Reinhard Jahn, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie,
Abteilung Neurobiologie,
Tel: 0551 201 -1634,
E-Mail: rjahn@gwdg.de

Zur Redakteursansicht