Herbert Jäckle erhält Klaus Sander Preis

19. Februar 2019

Die Gesellschaft für Entwicklungsbiologie (GfE) ehrt Herbert Jäckle, Emeritus-Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen, mit dem Klaus Sander Preis. Die mit 10000 Euro dotierte Auszeichnung wird dem Biologen am 19. Februar 2019 auf der GfE-Jahrestagung in Wien (Österreich) überreicht. 

Prof. Dr. Herbert Jäckle

Der Max-Planck-Forscher erhalte den höchsten Preis der Gesellschaft für sein Lebenswerk in der entwicklungsbiologischen Forschung sowie für seinen herausragenden Beitrag zur Entwicklungsbiologie in Deutschland und zum erfolgreichen Werdegang der GfE, begründet der Vorstandsvorsitzende Ulrich Technau die Wahl.

„Klaus Sander war mein Mentor, dem ich verdanke, dass ich Wissenschaftler geworden bin. Daher habe ich einen sehr persönlichen Bezug zu ihm“, freut sich Jäckle, der am Göttinger MPI die Emeritusgruppe Molekulare Entwicklungsbiologie leitet.

Jäckle ist seit 1981 Mitglied der GfE und war von 1994 bis 1995 deren Vorstandsvorsitzender. In dieser Zeit hat er eine Reihe von Projekten angestoßen, die bis heute nachwirken. So initiierte er unter anderem die alle zwei Jahre stattfindende GfE School, die Promovierende und Postdocs mit führenden Entwicklungsbiologinnen und -biologen in Kontakt bringt.

Mit seiner Forschung hat Jäckle fundamentale Erkenntnisse über die frühe Entwicklung der Fruchtfliege Drosophila melanogaster beigetragen. Diese halfen insbesondere dabei, im Detail zu verstehen, wie diese Entwicklung molekular reguliert wird und wie die Fliege ihren Energiestoffwechsel im Gleichgewicht hält.

Weiter gelang es ihm gemeinsam mit Kollegen, bedeutende Gene und molekulare Mechanismen zu identifizieren, die auch beim Menschen die Bildung von Organen und den Energiestoffwechsel kontrollieren. Dies eröffnet neue Ansätze, um Therapien für Erkrankungen zu entwickeln, bei denen die normale Struktur und Funktion bestimmter Organe eingeschränkt ist, wie etwa Diabetes oder Fettleibigkeit. Das von Jäckle gemeinsam mit seinem Institutskollegen Peter Gruss gegründete Biotech-Unternehmen DeveloGen AG (heute Evotec AG) arbeitet daran, aus derartigen Ergebnissen der Grundlagenforschung Therapien zu entwickeln.

Neben seiner Tätigkeit in der Forschung hat sich Jäckle auch in besonderem Maße als Wissenschaftsmanager verdient gemacht. So war er von 2002 bis 2014 Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und hat in dieser Funktion mehrere Entwicklungen in der nationalen und internationalen Forschungslandschaft angestoßen. Er initiierte etwa das Institut für Computergestützte Biologie in Shanghai (China), das die MPG gemeinsam mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften trägt, sowie ein biomedizinisches Partner-Institut der MPG und des argentinischen Wissenschaftsministeriums in Buenos Aires (Argentinien). Außerdem baute Jäckle innerhalb der MPG ein sehr erfolgreiches Programm zur Förderung von talentierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern auf, um diese bereits am Anfang ihrer Karriere zu unterstützen. (fk)

Über den Preisträger

Herbert Jäckle promovierte 1977 an der Universität Freiburg in Biologie. Anschließend arbeitete er an der University of Texas in Austin (USA), am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg und am MPI für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Im Jahr 1987 wurde er Ordinarius für Genetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1991 wechselte er nach Göttingen an das MPI für biophysikalische Chemie, wo er als Direktor bis zu seiner Emeritierung 2017 die Abteilung Molekulare Entwicklungsbiologie leitete. Seit 1993 lehrt er zudem als Honorarprofessor an der Universität Göttingen.

Herbert Jäckle erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis (1986), den Feldberg-Preis (1990), den Otto Bayer-Preis (1992), den Louis Jeantet-Preis für Medizin (1999), den Deutschen Zukunftspreis (1999) sowie den China International Cooperation Award und den Preis für internationale wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit der Volksrepublik China (beide 2013). Im Jahr 2010 wurde er mit dem Verdienstkreuz erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der argentinische Staat ehrte ihn 2014 mit dem Luis Federico Leloir-Preis. Er hält Ehrendoktorwürden der Universität Konstanz, des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel) und der Universität Basel (Schweiz).

Über den Klaus Sander Preis

Mit dem Klaus Sander Preis würdigt die GfE das Lebenswerk renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Entwicklungsbiologie. Er wird in unregelmäßigem Abstand verliehen und ersetzt seit 2017 den Otto Mangold Preis als höchste Auszeichnung der Gesellschaft.

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