Göttinger European Neuroscience Institute ist Keimzelle für ein Europäisches Neuroscience-Netzwerk

9. Januar 2006

Ende 2005 fand in Prag die Jahrestagung des ENI-Net (Network of European Neuroscience Institutes) statt. Die Veranstaltung bildete den Rahmen für die Auftaktveranstaltung eines gleichnamigen EU-Projekts, das den Ausbau dieses Netzwerks finanziell unterstützen soll und von Nobelpreisträger Erwin Neher am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie koordiniert wird.

Begründet von Prof. Erwin Neher (Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie), Prof. Diethelm Richter (Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen) und Prof. Walter Stühmer (Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin) im Jahr 2000, ist das ENI-G (European Neuroscience Institute Göttingen) Keimzelle eines europaweiten Netzwerks neurowissenschaftlicher Institute (ENI-Net) geworden. Finanzielle Unterstützung für das Netzwerk kommt jetzt auch von der Europäischen Union. Für drei Jahre stehen dem von Prof. Erwin Neher geleiteten ENI-Net-Konsortium ca. 1,3 Mio. Euro zur Verfügung. Mit diesen Mitteln sollen das Netzwerk ausgebaut und seine Aktivitäten koordiniert werden.

Kernstück des ENI-Net-Projekts bilden die so genannten Young Investigator Groups, von denen es bereits 39 in neun europäischen Ländern gibt und deren Anzahl weiter wächst. Die Forschungsgruppen werden von herausragenden jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geleitet und sind in 14 verschiedenen Instituten untergebracht. Voraussetzung für die Anerkennung als ENI-Arbeitsgruppe ist ein Beschluss des Leitungsgremiums von ENI-Net nach den Statuten des Netzwerks. Das EU-Projekt stellt jetzt die finanzielle Unterstützung für zahlreiche Netzwerkaktivitäten zur Verfügung, wie z.B. Jahrestagungen, Methodenkurse und Workshops, Laborbesuche und den Aufbau einer Internetplattform.

Eingeladen nach Prag zur ersten Jahrestagung des ENI-Net im November 2005 hatte das Institut für Experimentelle Medizin der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, einer der Partner des Netzwerks. Die Themen der Vorträge, die vorwiegend von Arbeitsgruppenleitern bestritten wurden, spannten sich in weitem Bogen von den molekularen Aspekten der Neurowissenschaften über die Stammzellforschung bis hin zu Lern- und Gedächtnisvorgängen.

Die offizielle Auftaktveranstaltung des EU-Projektes ENI-Net begann mit einem Überblick von Prof. Erwin Neher über die Entwicklung und Perspektiven des Netzwerks. Nach zwei Vorträgen zur Projektadministration von Dr. Philippe Cupers, dem für das Projekt verantwortlichen Mitarbeiter der EU-Kommission, und Dr. Joachim Bormann, EU-Koordinator der Göttinger Max-Planck-Institute, schloss sich die Wahl des Vorstandes durch die Vollversammlung sowie eine Diskussion der künftigen Netzwerkaktivitäten an.

Abschluss der Jahrestagung bildete eine Podiumsdiskussion mit Dr. Raffaele Liberali, Direktor des Marie-Curie-Programms in der EU-Kommission. Herr Liberali führte aus, dass Ausbildungsförderung und grenzüberschreitende Mobilität von Nachwuchswissenschaftlern auch im 7. Forschungsrahmenprogramm besondere Anliegen der EU-Kommission sein werden. Dabei soll die Doktorandenzeit als frühe Phase der Ausbildung eines Wissenschaftlers einen höheren Stellenwert bekommen als bisher. Um die Karrierechancen der Wissenschaftler zu verbessern, müsse eine engere Zusammenarbeit mit der Industrie und die Schaffung gemeinsamer Ausbildungsprogramme angestrebt werden. Wermutstropfen war die Mitteilung, dass die "Excellence grants" zur Förderung herausragender Nachwuchsgruppen künftig nicht mehr Bestandteil des Marie-Curie-Programms der EU sind; jedoch soll ihr Wegfall durch das Exzellenzprogramm des Europäischen Forschungsrats kompensiert werden.

Weitere Informationen:

www.mpibpc.mpg.de/europa/

www.eni-net.org

Rückfragen bitte an:

Dr. Joachim Bormann, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie,
EU-Referat,
Tel: 0551 201- 1076,
E-Mail: j.bormann@gwdg.de

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