Günther Laukien Prize 2019 für Christian Griesinger

8. April 2019

Christian Griesinger, Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen, erhält am 8. April auf der Experimental NMR Conference in Pacific Grove (Kalifornien, USA) den Günther Laukien Prize 2019 für seine herausragenden Beiträge zur Kernspinresonanz (NMR)-Spektroskopie. Der Chemiker teilt sich die mit 20 000 US-Dollar dotierte Auszeichnung mit Geoffrey Bodenhausen, Professor für Chemie an der École Normale Supérieure (Paris, Frankreich). Der von der Firma Bruker finanzierte Preis wird seit 1999 in Gedenken an den Mitbegründer Günther Laukien verliehen.

Prof. Dr. Christian Griesinger

„Der Günther Laukien-Preis ist die wichtigste Auszeichnung im Bereich der NMR-Spektroskopie“, freut sich Christian Griesinger, der den 1997 verstorbenen Namensgeber zu Lebzeiten kennenlernen durfte. „Ende der 1980er-Jahre führte ich mit einigen Forscherkollegen NMR-Messungen auf dem Bruker-Firmengelände durch. Günther Laukien hatte damals dort auch seine Wohnung. Er kam abends öfter zu uns und ließ sich, wie ein liebevoller Großvater von seinen Enkeln, alles über unsere spannende Forschung erklären.“

Griesinger, der am MPI für biophysikalische Chemie die Abteilung NMR-basierte Strukturbiologie leitet, erforscht die Struktur von Molekülen und deren Dynamik. Denn nur, wenn Proteine und Nukleinsäuren sich in eine bestimmte Form falten, können sie ihre biologische Aufgabe erfüllen. Auf welche Details es dabei ankommt, untersucht der Wissenschaftler in Göttingen mithilfe der NMR-Spektroskopie. 

Mittels NMR-Spektren lassen sich die Positionen bestimmter Atome im Molekül bestimmen und ermitteln, wie Moleküle mit Proteinen wechselwirken. So können auch neue Wirkstoffkandidaten, wie zum Beispiel das Molekül anle138b, gefunden werden. Griesinger konnte mit Kollegen der Ludwig-Maximilians-Universität München in Untersuchungen an Mäusen zeigen, dass anle138b das Verklumpen von Proteinen wie dem alpha-Synuclein (Parkinson-Erkrankung), dem Amyloid-Beta-Peptid und Tau-Protein (Alzheimer-Krankheit) sowie dem Prion-Protein (Creutzfeldt‑Jakob‑Erkrankung) verzögern und das Fortschreiten der damit verbundenen Krankheiten verlangsamen kann. 

Mittels NMR-Spektroskopie konnte der Chemiker mit seinem Team darüber hinaus die Funktionsweise der „Kraftstoffpipeline“ der Zelle aufklären: des VDAC-Kanals. Über solche Kanäle liefern die Mitochondrien chemische Energie in Form von Adenosintriphosphat, im Körper eines Menschen sind das täglich etwa 75 Kilogramm. Ein weiteres Forschungsgebiet von Griesinger ist die schnelle Dynamik von Proteinen (jpy) 

Über den Preisträger

Christian Griesinger studierte Chemie und Physik an der Universität Frankfurt/Main und promovierte dort 1986. Danach forschte er bis 1989 als Postdoktorand an der ETH Zürich (Schweiz) bei Chemie-Nobelpreisträger Richard Ernst. Im Jahr 1990 wurde er als Professor für Organische Chemie an die Universität Frankfurt am Main berufen. Seit 1999 ist er Direktor am MPI für biophysikalische Chemie und Leiter der Abteilung NMR-basierte Strukturbiologie. Zudem lehrt er als Honorarprofessor an der Universität Göttingen. Für seine Forschungsarbeiten ist Christian Griesinger vielfach ausgezeichnet worden, darunter mit dem Sommerfeldpreis der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1997), dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1998), dem Otto-Bayer-Preis (2003) und dem Ampere-Preis (2014). Die Nationale Universität Rosario (Argentinien) verlieh ihm 2014 die Ehrendoktorwürde.

Über den Preis 

Die Auszeichnung wurde 1999 in Gedenken an Günther Laukien ins Leben gerufen, der als Pionier der NMR-Forschung gilt. Das Preisgeld von 20 000 US-Dollar wird von Bruker, dem von Laukien mitgegründeten Unternehmen, gestiftet. Der Günther Laukien Prize soll die neueste experimentelle NMR-Forschung würdigen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu neuen Anwendungen führt. Der Preis wird jährlich auf der Experimental NMR Conference (ENC) vergeben.

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