Patrick Cramer in die National Academy of Sciences aufgenommen

5. Mai 2020

Die US-amerikanische National Academy of Sciences hat Patrick Cramer vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie zum Auswärtigen Mitglied gewählt. Damit würdigt die traditionsreiche Wissenschaftsakademie die herausragende Forschung des Biochemikers zu einem grundlegenden Prozess des Lebens – wie Zellen die in Genen gespeicherte Information auslesen und wie dieser Vorgang reguliert ist.

Prof. Dr. Patrick Cramer

„Die Wahl in die amerikanische Akademie ist eine große Ehre und hat mich riesig gefreut, auch weil ich mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen in den USA sehr verbunden fühle, seit wir als Familie vor 20 Jahren in Kalifornien gelebt haben“, freut sich der Max-Planck-Direktor über die Ehrung.

Lebende Zellen erstellen Kopien ihrer Gene, die als Bauanleitung für Proteine dienen. Dieser Kopiervorgang nennt sich Transkription und wird von molekularen Maschinen gesteuert, den Polymerasen. Cramer erforscht mit seinem Team, wie diese Polymerasen aufgebaut sind und in Zellen reguliert werden.

Erst Ende April konnten Cramer und seine Mitarbeiter die Polymerase des neuartigen Coronavirus in aktiver Form in 3D sichtbar machen. Diese Nanomaschine vervielfältigt das Erbgut des Virus und lässt sich durch antivirale Substanzen blockieren. Zu diesen zählt auch Remdesivir, das in den USA seit dem 1. Mai als Medikament für die Behandlung von Covid-19-Patienten zugelassen ist.

Gemeinsam mit Cramer werden in diesem Jahr 25 weitere Nicht-US-Amerikaner in die National Academy of Sciences aufgenommen. Nach Manfred Eigen, Erwin Neher, Reinhard Jahn und Stefan Hell ist Cramer der fünfte Wissenschaftler am MPI-BPC, dem diese Ehre zuteil wird. (fk)

Über Patrick Cramer

Patrick Cramer studierte Chemie in Stuttgart, Heidelberg sowie Bristol und Cambridge (England). Nach seiner Doktorarbeit am European Molecular Biology Laboratory in Grenoble (Frankreich) war er von 1999 bis 2001 Postdoktorand beim späteren Nobelpreisträger Roger Kornberg an der Stanford University in Kalifornien (USA). Anschließend wechselte er als Professor für Biochemie an die Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er von 2004 bis 2014 das Genzentrum leitete. Seit 2014 ist Cramer Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen und Leiter der Abteilung Molekularbiologie. Für seine Forschung wurde der Biochemiker vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ernst-Jung-Preis für Medizin, dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis sowie dem Bundesverdienstkreuz.

Über die National Academy of Sciences

Als private, gemeinnützige Gesellschaft wurde die National Academy of Sciences 1863 mit der Unterschrift Abraham Lincolns ins Leben gerufen. Sie berät die US-Regierung in wissenschaftlichen und technologischen Fragen. Neben etwa 2400 US-amerikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat die Gesellschaft derzeit weltweit ungefähr 500 Auswärtige Mitglieder.

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