Otto-Warburg-Medaille für Patrick Cramer

26. März 2021

Am 26. März ehrte die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) Patrick Cramer, Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie, mit der Otto-Warburg-Medaille. Zudem zeichnete sie den Virologen Christian Drosten von der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit dem Eduard Buchner Preis aus. Auf der virtuellen Veranstaltung stellten beide Wissenschaftler ihre neuesten Ergebnisse aus der Corona-Forschung vor.

Prof. Dr. Patrick Cramer

Die Frage gilt als eines der großen Rätsel der Biologie: Wie wird die Aktivität von Genen gesteuert? Nur von aktiven Genen fertigt die Zelle Kopien in Form von langen RNA-Molekülen an, die dann als Bauanleitung für Proteine dienen. Diesen Kopiervorgang – Transkription genannt – übernehmen biologische Nanomaschinen, die sogenannten RNA-Polymerasen. Diese stehen im Zentrum der Forschung von Cramers Abteilung Molekularbiologie am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie. 

„Mit seinen Erkenntnissen konnte Patrick Cramer nicht nur zentrale Schritte der Transkription in molekularem Detail sichtbar machen, sondern die gesamte Forschung im Bereich der Transkription und Genregulation revolutionieren und so erheblich zum Verständnis des Zellkerns beitragen“, sagt Blanche Schwappach-Pignataro, Präsidentin der GBM. „Wir freuen uns sehr, einen so bedeutenden Wissenschaftler mit der Otto-Warburg-Medaille auszeichnen zu dürfen.“

„Diese besondere Anerkennung nehme ich stellvertretend für alle ehemaligen und derzeitigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entgegen, deren Forschungsbeiträge sich nun zu einem Gesamtbild ergänzen. Wir blicken aber weiter nach vorne. Jetzt studieren wir die Genaktivität im natürlichen Kontext. Auch wollen wir neue Wirkstoffe gegen das Coronavirus aufspüren“, erklärt der Preisträger.

Viele Strukturen von RNA-Polymerasen haben Cramer und Team erstmals im atomaren Detail sichtbar gemacht. Zuletzt klärten sie auch die Struktur der RNA-Polymerase von SARS-CoV-2 auf. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigten so, wie das Coronavirus sein Erbgut vermehrt. Und sie konnten ermitteln, warum das Covid-19-Medikament Remdesivir nur schwach wirkt. Cramers Forschung trägt somit dazu bei, Infektionskrankheiten besser zu verstehen.

Über Patrick Cramer

Cramer studierte Chemie in Stuttgart, Heidelberg, Bristol und Cambridge. Nach seiner Doktorarbeit am European Molecular Biology Laboratory in Grenoble forschte er von 1999 bis 2001 beim späteren Nobelpreisträger Roger Kornberg an der Stanford University in den USA. Als Professor für Biochemie wechselte er anschließend an die Ludwig-Maximilians-Universität München und leitete dort von 2004 bis 2013 das Genzentrum. Seit 2014 ist er Direktor der Abteilung Molekularbiologie am Göttinger MPI für biophysikalische Chemie. Für seine Forschung wurde Cramer vielfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er den Ernst-Jung-Preis für Medizin, den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, den Louis-Jeantet-Preis für Medizin, den Hector Wissenschaftspreis sowie das Bundesverdienstkreuz. Er ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der US-amerikanischen National Academy of Sciences.

Über die Otto-Warburg-Medaille

Die Otto-Warburg-Medaille gilt als höchste deutsche Auszeichnung im Bereich der Biochemie und Molekularbiologie und wird seit 1963 vergeben. Unter den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern sind viele renommierte Namen aus der Max-Planck-Gesellschaft, darunter die Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier und der Zellbiologe Stefan Jentsch. Im Jahr 2019 erhielt mit Marina Rodnina erstmals eine Direktorin am Göttinger MPI für biophysikalische Chemie die renommierte Auszeichnung. Seit 2012 ist die Fachzeitschriften-Reihe Biochimica et Biophysica Acta exklusiver Kooperationspartner für die Verleihung der Otto-Warburg-Medaille und Sponsor der Auszeichnung. Die Medaille ist mit einem Preisgeld von 25 000 Euro dotiert.

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