Herbert Jäckle in renommierte American Academy of Arts and Sciences aufgenommen

30. April 2021

Mit der Ernennung zum internationalen Ehrenmitglied würdigt die Akademie die herausragenden wissenschaftlichen Leistungen des Emeritus-Direktors am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen. Seine Grundlagenforschung am Modell der Fruchtfliege brachte neue, auf den Menschen übertragbare Erkenntnisse über diejenigen Gene und molekularen Mechanismen, die die Bildung von Organen und den Energiestoffwechsel kontrollieren.

Prof. Dr. Herbert Jäckle

„Natürlich freue ich mich – und fühle mich geehrt – als Europäer dem illustren Kreis der American Academy of Arts and Sciences zugehören zu dürfen“, freut sich Jäckle. Die Forschung des Entwicklungsbiologen hat wegweisende Erkenntnisse über die frühe Entwicklung der Fruchtfliege Drosophila melanogaster geliefert. Insbesondere trugen Jäckles Arbeiten zu einem detaillierten Verständnis darüber bei, wie diese Entwicklung auf molekularer Ebene reguliert wird und wie die Fliege ihren Energiestoffwechsel im Gleichgewicht hält. 

Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen konnte der Max-Planck-Forscher wichtige Gene und molekulare Mechanismen identifizieren, die auch beim Menschen die Organbildung und den Energiestoffwechsel steuern. Diese Ergebnisse liefern neue Ansätze, um beispielsweise Therapien für Fettleibigkeit und Diabetes zu entwickeln, bei denen Organstrukturen und -funktionen defekt sind. 1997 gründete Jäckle gemeinsam mit dem Zellbiologen Peter Gruss das Biotech-Unternehmen DeveloGen AG (heute Evotec AG), das bis heute daran arbeitet, die Erkenntnisse der beiden Forscher aus der Grundlagenforschung in die Anwendung zu bringen.

Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Wissenschaftler war Jäckle von 2002 bis 2014 Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). In dieser Funktion initiierte er unter anderem das Institut für Computergestützte Biologie in Shanghai (China), das die MPG gemeinsam mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften trägt, sowie ein biomedizinisches Partner-Institut der MPG und des argentinischen Wissenschaftsministeriums in Buenos Aires (Argentinien). Nicht zuletzt hat Jäckle innerhalb der MPG ein sehr erfolgreiches Programm zur Förderung des talentierten wissenschaftlichen Nachwuchses ins Leben gerufen.

Aus über 1300 Nominierten wurden dieses Jahr insgesamt 252 neue Mitglieder in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen. Nach Jürgen Troe (1989) und Erwin Neher (1992) ist Herbert Jäckle der dritte Wissenschaftler am MPI für biophysikalische Chemie, der von der Akademie geehrt wurde. Weitere Mitglieder der Akademie sind beziehungsweise waren unter anderen Benjamin Franklin (1781), Charles Darwin (1874), Albert Einstein (1924), Martin Luther King Jr. (1966), Pablo Picasso (1994) und Michelle Obama (2019). (kr)

Über den Preisträger

Herbert Jäckle promovierte 1977 an der Universität Freiburg in Biologie. Anschließend forschte er an der University of Texas in Austin (USA), am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg und am MPI für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Im Jahr 1987 wurde er Ordinarius für Genetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1991 wechselte er nach Göttingen an das MPI für biophysikalische Chemie, wo er als Direktor bis zu seiner Emeritierung 2017 die Abteilung Molekulare Entwicklungsbiologie leitete. Seitdem ist er als Emeritus-Direktor am Institut weiter aktiv. Seit 1993 ist er zudem Honorarprofessor an der Universität Göttingen.

Herbert Jäckle erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis (1986), den Otto Bayer-Preis (1992), den Louis Jeantet-Preis für Medizin (1999), den Deutschen Zukunftspreis (1999) und den Klaus Sander Preis (2019). Im Jahr 2010 wurde er mit dem Verdienstkreuz erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der argentinische Staat ehrte ihn 2014 mit dem Luis Federico Leloir-Preis. Zudem hält er Ehrendoktorwürden der Universität Konstanz, des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel) und der Universität Basel (Schweiz).

Über die American Academy of Arts and Sciences

Die 1780 gegründete American Academy of Arts and Sciences ist eine internationale Ehrengesellschaft, deren Mitglieder für ihre herausragenden Leistungen in Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit gewürdigt werden. Unter den aktuell über 5.600 Mitgliedern befinden sich mehr als 250 Nobel- und 60 Pulitzerpreisträgerinnen und -preisträger. Als unabhängiges Forschungsinstitut unterstützt die Akademie unzählige Projekte aus verschiedenen Bereichen der Wissenschaft, vergibt Forschungsstipendien und Preise und berät Regierung und Öffentlichkeit zu wissenschaftlichen Anliegen. 

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