Stefan Hell zum Ehrendoktor ernannt

Stefan Hell zum Ehrendoktor ernannt

28. Mai 2009

Die Universität von Turku (Finnland) hat Prof. Stefan W. Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, die Ehrendoktorwürde in Medizin verliehen. Die finnische Hochschule und ihre medizinische Fakultät würdigen mit dieser Auszeichnung die Beiträge des Physikers zur Mikroskopie. Die Urkunde mit Schwert und Doktorhut wurde ihm am 22. Mai 2009 in Turku im Rahmen einer feierlichen Zeremonie überreicht.

Für den Göttinger Wissenschaftler Stefan Hell war es die Reise zurück an einen bekannten Ort: Denn in Turku hatte er vor mehr als zehn Jahren seine bahnbrechende Idee, wie man die Auflösung der Fluoreszenz-Mikroskopie dramatisch steigern kann. 1993 kam der Physiker als Stipendiat der Akademie von Finnland an die Universität von Turku und blieb dort bis Ende 1996, unterbrochen nur von kurzen Forschungsaufenthalten an der Universität von Oxford (England).

Während dieser Zeit entwickelte Hell das Prinzip der STED (Stimulated Emission Depletion)-Mikroskopie. Mit diesem neuen "Nanoskop" gelang es zum ersten Mal, die 1873 entdeckte Auflösungsgrenze von 200 Nanometern in der Lichtmikroskopie radikal zu unterlaufen. Damit lassen sich selbst feine Details von Zellen scharf sehen.

Mit einer bis zu 10-fach verbesserten Auflösung gegenüber herkömmlichen Mikroskopen lassen sich winzige, fluoreszenzmarkierte Proteinkomplexe mit einer Größe von nur 20 bis 50 Nanometern getrennt voneinander beobachten – Strukturen, die etwa 1000-mal kleiner sind als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Aber nicht nur Momentaufnahmen aus der lebenden Zelle sind mit dem neuen STED-Mikroskop möglich. Sogar Lebensvorgänge im Inneren lebender Zellen lassen sich damit "live" mit Nanoauflösung verfolgen.

Stefan Hell reiht sich mit dieser Ehrung in eine Liste bedeutender Persönlichkeiten ein, denen die Universität von Turku die Ehrendoktorwürde verliehen hat, darunter viele renommierte Wissenschaftler und bekannte Politiker. Einer der Ehrendoktoren der finnischen Hochschule ist der frühere Präsident Finnlands, Mauno Koivisto.

Zur Person

Stefan W. Hell (Jahrgang 1962) studierte nach dem Abitur in Ludwigshafen am Rhein in Heidelberg Physik. Er habe "phantastische" Physiklehrer und Hochschullehrer gehabt, denen man die Freude angemerkt habe, Physiker zu sein, Forschung zu machen und Dinge verstehen zu wollen. Nach seiner Promotion 1990 in Heidelberg verfolgte er seine Ideen zunächst als "freier Erfinder". Nach einer Zeit als Postdoktorand am EMBL in Heidelberg ging er 1993 als Gruppenleiter nach Turku, Finnland. Dort entwickelte er das Prinzip der STED-Mikroskopie. Von Turku aus wechselte Hell 1997 als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe an das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, wo er seit 2002 die Abteilung NanoBiophotonik leitet. Hell ist Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Honorarprofessor für Experimentalphysik an der Georg-August-Universität Göttingen. Für seine Leistungen wurde Stefan Hell mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Er erhielt unter anderem den Preis der International Commission for Optics (2000), den Carl-Zeiss-Preis (2002), den Karl Heinz Beckurts-Preis (2002), den 10. Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten (2006), den Julius-Springer-Preis für Angewandte Physik (2007), den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2008) sowie den Niedersächsischen Staatspreis (2008). Das Fachmagazin Nature Methods kürte die von Hell entwickelte ultrahochauflösende Fluoreszenzmikroskopie 2008 zur Methode des Jahres.

Kontakt

Prof. Dr. Stefan Hell, Abteilung NanoBiophotonik
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie
Tel.: +49 551 201-2500/-2503
E-Mail: shell@gwdg.de

Dr. Carmen Rotte, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie
Tel.: +49 551 201-1304
E-Mail: crotte@gwdg.de

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