Wenn Nervenzellen sich missverstehen

Göttinger Max-Planck-Institut koordiniert EU-Großprojekt für Hirnforschung
Gemeinsame Pressemitteilung der Max-Planck-Institute für Experimentelle Medizin und biophysikalische Chemie, Göttingen

March 04, 2010

Ein internationales Konsortium von Neurobiologen unter der Federführung von Prof. Nils Brose, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, hat den Zuschlag für das europäische Großprojekt "EUROSPIN" erhalten. Ziel des Hirnforschungsvorhabens ist es, die Ursachen neuropsychiatrischer Erkrankungen zu erforschen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Die EU stellt dafür Fördermittel in Höhe von 12 Millionen Euro zur Verfügung, knapp drei Millionen Euro gehen nach Göttingen.

Ein internationales Konsortium von Neurobiologen unter der Federführung von Prof. Nils Brose, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, hat den Zuschlag für das europäische Großprojekt "EUROSPIN" erhalten. Ziel des Hirnforschungsvorhabens ist es, die Ursachen neuropsychiatrischer Erkrankungen zu erforschen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Die EU stellt dafür Fördermittel in Höhe von 12 Millionen Euro zur Verfügung, knapp drei Millionen Euro gehen nach Göttingen.

Nervenzellen kommunizieren miteinander über spezialisierte Zell-Zellkontakte, die Synapsen. "Wird diese Kommunikation gestört, können neurologische oder psychiatrische Krankheiten wie etwa Autismus oder Schizophrenie die Folge sein", erklärt Prof. Nils Brose, Koordinator des EU-Großprojekts. "Wir wollen solche Fehlfunktionen, die wir als 'Synaptopathien' oder Synapsenkrankheiten betrachten, genau analysieren und verstehen, wie sie Krankheitsprozesse im Gehirn verursachen", sagt Brose. Ultimatives Ziel sei es, neue Therapieverfahren für neuropsychiatrische Erkrankungen zu entwickeln.

Um ihre Aufgaben zu bewältigen, setzt das EUROSPIN-Konsortium auf Synergieeffekte und eine große Methodenvielfalt. "Wir versuchen alles derzeit mögliche, um das Problem neuropsychiatrischer Erkrankungen anzugehen - von genetischen Untersuchungen über biochemische Analysen von Protein-Netzwerken in einzelnen Synapsen bis hin zum Studium komplizierter Nervenzell-Netzwerke im intakten Gehirn", meint Brose.

"Einmalig in Europa ist, dass dem Konsortium ein großes Repertoire an genetischen Mausmodellen zur Verfügung steht, die gezielte Hinweise auf synaptische Funktionsstörungen bei Hirnerkrankungen liefern können" so der EU-Koordinator der Göttinger Max-Planck-Institute, Dr. Joachim Bormann.

Die EU will mit ihrem 7. Forschungsrahmenprogramm die Entwicklung neuer Therapien zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten des Nervensystems vorantreiben. Dafür stellt sie dem Projekt EUROSPIN über einen Zeitraum von vier Jahren 12 Millionen Euro an Forschungsgeldern zur Verfügung. Davon gehen fast drei Millionen Euro nach Göttingen. Unter den 18 Forscherteams aus sechs Ländern befinden sich drei Gruppen aus Göttinger Max-Planck-Instituten: Die Forschergruppen der Professoren Nils Brose (Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin), Reinhard Jahn und Erwin Neher (beide Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie). Aus Deutschland sind außerdem die Arbeitsgruppe des Chemikers Prof. Herbert Waldmann (Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie) in Dortmund, die Göttinger Biotech-Firma Synaptic Systems und das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin beteiligt.

Nach dem offiziellen Start von EUROSPIN am 1. Januar 2010 fand vom 9. bis 11. Februar in Göttingen die Auftaktveranstaltung statt. Neben dem gegenseitigen Kennenlernen der international zusammengesetzten Teilnehmerrunde standen die strategischen Ziele und geplanten Ergebnisse des Projekts auf der Tagesordnung. Dabei wurden insbesondere auch die Verantwortlichkeiten und Aufgaben in den einzelnen Arbeitspaketen diskutiert und die Weichen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gestellt.

Weitere Informationen über EUROSPIN können im Internet abgerufen werden unter: www.eurospin.mpg.de.

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