Manfred Eigen zieht in die Hall of Fame der deutschen Forschung ein

October 06, 2010

Der langjährige Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen, wurde in Anerkennung seiner Lebensleistung in die Hall of Fame der deutschen Forschung aufgenommen. Die Auszeichnung würdigt seine bahnbrechenden Forschungsarbeiten zu ultraschnellen Reaktionen und zur Selbstorganisation komplexer Moleküle als "einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung des Forschungsstandorts Deutschland".

Für den Göttinger Physiko-Chemiker ist die Aufnahme in die Hall of Fame der deutschen Forschung eine große Ehre. "Gewiss ist es nicht die erste Auszeichnung in meinem Leben. Aber es ist die erste, die in einem engen Zusammenhang mit unserer - in gewissen Bereichen sehr industrienahen - Forschungstätigkeit steht, der evolutiven Biotechnologie", sagte Manfred Eigen anlässlich der feierlichen Festveranstaltung in Berlin mit rund 90 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Manfred Eigen gehört zu den vielseitigsten deutschen Wissenschaftlern. Nach seinen bahnbrechenden Arbeiten zu ultraschnellen Reaktionen, für die er 1967 mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt wurde, wandte sich Eigen der Biochemie zu und beschäftigte sich mit Fragen zur Evolution.

Seine Theorien zur Selbstorganisation komplexer Moleküle und seine Entwicklung von "Evolutionsmaschinen", mit der er diese Theorien in die Praxis umsetzte, begründeten einen neuen Zweig der deutschen Biotechnologie-Branche - die evolutive Biotechnologie. Mit den von Eigen und seinen Mitarbeitern am Institut bis zur Produktionsreife entwickelten Evolutionsmaschinen lassen sich grundlegende Mechanismen der Evolution untersuchen, beispielsweise die Tricks, mit denen das AIDS-Virus und andere tückische Krankheitserreger das Immunsystem überlisten. Evolutionsmaschinen können zudem dabei helfen, neuartige Wirkstoffe für Medikamente zu entwickeln. Manfred Eigen war Mitbegründer zweier erfolgreicher Unternehmen, der Hamburger Evotec AG und der DIREVO Biosystems AG/Köln (heute: Bayer HealthCare AG).

Auswahl durch Wissenschaft und Wirtschaft

Mit der Aufnahme in die Hall of Fame der deutschen Forschung ehrt das manager magazin seit 2009 herausragende Wissenschaftler, die einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Forschungsstandorts Deutschland geleistet haben. Auch bereits verstorbene Forscher können in die Hall of Fame gewählt werden. Bei dem Auswahlprozess arbeiten Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft eng zusammen: Aus den Vorschlägen eines zwölfköpfigen Kuratoriums von Wissenschaftlern wählen sieben wirtschaftsnahe Persönlichkeiten die vier Laureaten aus.

Neben Manfred Eigen zogen in diesem Jahr Harald zur Hausen, Medizin-Nobelpreisträger von 2008, der Berliner Günter Spur, akademischer Pionier der Produktionswissenschaften, und Karl Ziegler (1898 - 1973), Chemie-Nobelpreisträger von 1963, in die Ruhmeshalle ein. Sie befinden sich dort in bester Gesellschaft. Im letzten Jahr waren erstmals vier herausragende Forscher in die Hall of Fame der deutschen Forschung gewählt worden: Karlheinz Brandenburg, der Entwickler des Datenkompressionsverfahrens MP3, Peter Grünberg, der Physik-Nobelpreisträger von 2007, sowie Atomphysiker Werner Heisenberg (1901 - 1976) und Biochemiker Feodor Lynen (1911 - 1979).

Zur Person

Manfred Eigen studierte Physik und Chemie an der Universität Göttingen. Nach seiner Promotion im Fach Physik bei Arnold Eucken und einer zweijährigen Forschungstätigkeit am Institut für Physikalische Chemie der Universität Göttingen wechselte er 1953 an das Göttinger Max-Planck-Institut für physikalische Chemie. Dort wurde Eigen 1958 als Direktor und Leiter der Abteilung "Chemische Kinetik" berufen. Auf seine Initiative ging aus diesem Institut 1971 das heutige Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie hervor. Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 1995 ist Manfred Eigen am Institut und am Scripps Research Institute in La Jolla (Kalifornien, USA) weiterhin wissenschaftlich aktiv.

Manfred Eigen ist so häufig geehrt worden wie kaum ein anderer deutscher Wissenschaftler. Für seine Forschung über "schnelle kinetische Reaktionen" erhielt er 1967 den Nobelpreis für Chemie. Neben einer großen Anzahl weiterer renommierter Preise wie dem Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik (1962), dem Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter-Preis (1992) und dem Lifetime Achievement Award des Institute of Human Virology in Baltimore (2005) wurden Manfred Eigen 14 Ehrendoktorwürden verliehen. Er ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Akademien.

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