Kunst am Fassberg Holzschnitte und Radierungen von Alfred Pohl

29. April 2003

In seiner Ausstellungsserie "Kunst am Fassberg" präsentiert das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie Farbholzschnitte und Farbradierungen des Göttinger Künstlers Alfred Pohl. Die Vernissage findet am Donnerstag, den 8. Mai 2003, um 17 Uhr statt. Dr. Gerd Unverfehrt vom Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Göttingen wird eine Einführung in das druckgraphische Werk Alfred Pohls geben.

Alfred Pohl: Don Quichote – die Schafe.

Unter den Holzschneidern der Gegenwart nimmt Alfred Pohl in vieler Hinsicht einen besonderen Platz ein. Gründe dafür finden wir in seinen Themen, in der konsequenten Beibehaltung der sehr kleinen Auflagen, die er stets von Hand abzieht, und nicht zuletzt in der besonderen Farbigkeit seiner Blätter, die sich wiederum aus seiner Technik der "Verlorenen Platte" ergibt. Die Entwicklung einer handwerklichen Perfektion ging für Alfred Pohl einher mit der Ausprägung einer eigenen Stilhandschrift mit unverwechselbarem Charakter und einer einprägsamen Formensprache.

Der Umgang mit den Themen ist für Alfred Pohl stets situationsbedingt. Die Darstellungen reichen von mediterranen Motiven über die Kultur der Toskana bis zu heimischen Landschaften im Wechsel der Jahreszeiten, vom Engel in der Geschichte über mythologische Themen bis hin zu literarischen Motiven. So nimmt unter den rund 60 Exponaten, die im Foyer und den Seminarräumen des Instituts gezeigt werden, der komplette, 15teilige Zyklus zu Miguel de Cervantes Saavedras "Don Quijote" eine herausragende Rolle ein.

Alfred Pohl: Toscana.

Entscheidend geprägt wurde Alfred Pohl Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre durch einen mehrjährigen Aufenthalt in Lima, Peru, und Bogotá, Kolumbien. Die Begegnung mit den Menschen, der Landschaft, der Religiosität, den Mythen und der Literatur Lateinamerikas hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die Themen, den Stil und die Farbgebung seiner Druckgrafik. In der Ausstellung erzählen viele seiner Arbeiten von diesen intensiven Begegnungen in Lateinamerika – der goldenen peruanischen Wüste, den Eindrücken der Städte und Menschen in den Anden oder den Geschichten aus der Mythologie.

Für seine mehrfarbigen Holzschnitte benutzt Alfred Pohl die anspruchsvolle Technik der "Verlorenen Platte". Es handelt sich dabei um einen additiven Mehrfarbendruck, bei dem aus einer einzigen Platte in aufeinander folgenden Schritten die verschiedenen Zustände der Druckplatte geschnitten und die einzelnen Farben übereinander gedruckt werden. Bei diesem auch als Reduzierschnitt bezeichneten Verfahren werden bei den sukzessiven Schneide- und Druckvorgängen die zum Druck verwendeten Flächen des Holzstockes immer kleiner. Die früheren Zustände der Druckplatte gehen dabei "verloren" und es entsteht eine einmalige Auflage, die nicht wiederholbar ist. Farbvariationen, wie sie während des Druckprozesses auftreten können, verleihen den einzelnen Abzügen zudem oft den Charakter von Unikaten.

Alfred Pohl: Markt.

Die Ausstellung "Kunst am Fassberg" dauert vom 8. Mai bis 1. Juni 2003 und ist täglich von 8 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr zu besichtigen.

Eine Übersicht über alle Ausstellungen finden Sie hier.

Kontakt

Dr. Ulrich Nauber
Abteilung Molekulare Entwicklungsbiologie
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie
Tel. +49 551 201-1590
E-Mail: unauber@gwdg.de

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