Ministerpräsident Christian Wulff zu Besuch am MPI für biophysikalische Chemie

28. September 2004

Auf Einladung der Vorsitzenden des Kuratoriums besuchte gestern der Ministerpräsident von Niedersachsen, Christian Wulff, das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen. In Kurzvorträgen und Demonstrationen gaben die Direktoren einen Überblick über die Forschung an einem der größten Max-Planck-Institute und über die Rahmenbedingungen, unter denen dort Grundlagenforschung betrieben wird.

Ministerpräsident Christian Wulff wird vom Vorsitzendes des Kuratoriums, Prof. Gerd Litfin, dem Geschäftsführenden Direktor, Prof. Dieter Gallwitz, und dem Vizepräsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Herbert Jäckle begrüßt (von links).

Prof. Gerd Litfin, Vorsitzender des Kuratoriums am Institut, betonte in seiner Begrüßung den informativen Aspekt der Veranstaltung. Das Kuratorium, das selbst von der Qualität der Forschung am MPI beeindruckt sei, wollte speziell die Politiker in Niedersachsen auf die Bedeutung dieser Arbeit hinweisen und sozusagen Öffentlichkeitsarbeit für das Institut betreiben. Grundlagenforschung sei das A und O für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes; darüber hinaus sei das Institut auch selbst ein Wirtschaftsfaktor, nicht nur durch die zahlreichen Ausgründungen von Firmen, durch die Arbeitsplätze in der Region geschaffen wurden, sondern natürlich auch durch die Forschungsarbeit selbst. Das Geld, das man dort hineinstecke, fließe direkt in die Region und käme so dem Land Niedersachsen zugute. Ministerpräsident Wulff ging direkt darauf ein und betonte, dass es da überhaupt keine Meinungsunterschiede

gäbe. Die Erfolgsgeschichte der Max-Planck-Gesellschaft sei bekannt und der Stellenwert der Grundlagenforschung unbestritten. Er bedankte sich für die Einladung und sagte, er freue sich über alle Informationen, die er erhalte, um auch selbst für die Max-Planck-Institute und die Max-Planck-Gesellschaft werben zu können.

In einem anschließenden Überblick über Struktur und Situation der Max-Planck-Gesellschaft unterstrich Prof. Herbert Jäckle, Vizepräsident der Gesellschaft und einer der Direktoren am Institut, zunächst die Bedeutung der Grundlagenforschung auch am MPI für biophysikalische Chemie. Technologietransfer sei zwar erfreulich, aber von der Zielsetzung der Max-Planck-Gesellschaft her eigentlich Nebensache.

In einer breiten Übersicht über die Forschungsarbeit der MPG stellte er anschließend interessante Zahlen vor. Die Gesellschaft hat insgesamt etwa 12.200 Mitarbeiter, 4.200 davon sind Wissenschaftler. Mit derzeit 276 Abteilungen in 78 Instituten entsprächen Größe und Etat der gesamten Gesellschaft nur etwa denen von 2 großen Universitäten. Dennoch sei die Arbeit an den Instituten überaus erfolgreich. Allein bei der Zahl der Publikationen, in Fachzeitschriften insgesamt wie auch in herausragenden Journalen wie Science oder Nature, läge die Gesamtheit der Max-Planck-Institute noch vor den beiden amerikanischen Elite-Universitäten Stanford oder Yale. Die Max-Planck-Institute hätten international ein sehr hohes Ansehen. Allein im Jahr 2001 hätten über 4.200 Wissenschaftler aus dem Ausland Max-Planck-Institute im Rahmen von Kooperationsprojekten besucht. Besonderes Anliegen der MPG seien die Nachwuchsförderung und die Zusammenarbeit mit den Universitäten, so Jäckle, was gerade in Göttingen ganz hervorragend funktioniere. Er freue sich, dass in Göttingen die beiden ersten Internationalen Max Planck Research Schools gegründet worden seien; inzwischen gebe es vier im Raume Göttingen. Auf diesem Gebiet sei Niedersachsen also wesentlich erfolgreicher als Bayern mit bisher nur einer solchen Einrichtung.

Prof. Christian Griesinger erläutert Ministerpräsident Wulff und Prof. Litfin die Methoden der "NMR-basierten Strukturbiologie".

Zum Schluss wies Prof. Jäckle noch auf einige Dinge hin, die uns alltäglich geläufig sind – und letztlich aus der Forschung der Max-Planck-Gesellschaft stammen. Die Pisa-Studie z.B., derzeit in aller Munde, wird in Deutschland vom MPI für Bildungsforschung in Berlin betreut. Das FLASH-Patent, ein Verfahren zur schnellen Erfassung von Schnittbildern mit der Magnetresonanz-Tomografie und inzwischen überall verwendet, stammt vom MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen. Auch die Plastik-Kaffetasse (PVC) geht auf Forschungen an einem MPI zurück, ebenso wie die Verfahren, mit denen der Kaffee entkoffeiniert wird. Selbst bei der "Nebensache" Technologietransfer sei die MPG sehr erfolgreich. Seit 1990 habe es mehr als 60 Ausgründungen gegeben, die etwa 2.800 Arbeitsplätze geschaffen hätten. Ministerpräsident Wulff zeigte sich durchaus beeindruckt von dieser Bilanz und wünschte sich, dass auch Politiker einmal eine so schlüssige und überzeugende Erfolgsgeschichte präsentieren dürften.

Nach diesem Überblick über die Max-Planck-Gesellschaft stellte dann Prof. Dieter Gallwitz, Geschäftsführender Direktor des Instituts, kurz das MPI für biophysikalische Chemie selbst vor, aus dem drei Nobelpreisträger hervorgegangen sind. Als Arbeitgeber von knapp 700 Menschen und Großverbraucher von Forschungsmaterialien und Geräten sei es ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region. Er wies auf die geplanten Erweiterungen des Campus hin, die Einbindung der Abteilung Eichele vom MPI für experimentelle Endokrinologie und den Neubau für das MPI für Strömungsforschung. Er hob vor allem noch einmal die hervorragende Zusammenarbeit mit der Universität hervor, die sich in zahlreichen Kooperationsprojekten und -einrichtungen zeige.

In einer nachfolgenden Diskussion wurde von den Abteilungsdirektoren auf die erheblichen Behinderungen der Forschungstätigkeit, insbesondere junger Wissenschaftler, durch die Befristung von Zeitverträgen in öffentlich geförderten Institutionen hingewiesen. Der Ministerpräsident zeigte großes Verständnis für diese Problematik. Es wurde ebenfalls deutlich gemacht, dass eine Schwächung der Universitäten langfristig auch die Netzwerke gefährde, in denen gerade in Göttingen universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sehr erfolgreich zusammenarbeiten.

Supraleitung lässt Metall schweben. Ohne Supraleitung, die bei extremer Kälte auftritt, sind die Magnetfelder nicht realisierbar, die Voraussetzung für die Messungen der Abteilung Griesinger sind.

Den Abschluss des Besuchs bildete die Besichtigung des NMR II-Gebäudes, in dem die Abteilung von Prof. Christian Griesinger "NMR-basierte Strukturbiologie" betreibt. Das Funktionsgebäude ist mit mehreren extrem starken Magneten bestückt und wurde erst vor zwei Jahren eingeweiht. Durch Einstrahlung von Radiowellen werden Moleküle im Magnetfeld zum Rückstrahlen veranlasst; die so beobachteten Frequenzen geben Aufschlüsse über die Anordnung der Atome und damit über die Struktur der untersuchten Moleküle. Je stärker die Magnetfelder, desto präziser werden die beobachtbaren Informationen. Prof. Christian Griesinger führte Ministerpräsident Wulff zunächst Effekte der Supraleitung vor, ohne die Magnetfelder der benötigten Stärke nicht erreichbar wären, und er demonstrierte anschließend solche Magnetfelder selbst, die auch in einigem Abstand noch Münzen aneinander kleben lassen. Wie man daraus Rückschlüsse auf die Molekülstruktur ziehen kann und weshalb die Kenntnis der genauen Struktur in vielen Bereichen, z.B. auch bei Untersuchungen zur Wirksamkeit von Medikamenten, so wichtig ist, illustrierte er anschließend in einem kurzen Vortrag.

Ministerpräsident Wulff zeigte sich beeindruckt von den Präsentationen und dankte allen Anwesenden sehr herzlich für die vielen Informationen. Er sagte seine Unterstützung für die Arbeit des Instituts zu und äußerte, dass er gerne auch weiterhin Kontakt halten und das MPI noch häufiger besuchen wolle.

Kontakt

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Prof. Dr. Gerd Litfin
Vorstandsvorsitzender der LINOS AG
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