Farbe - Körper - Natur
Malerei von Klara Fiedler

9. bis 31. August 2008

Blauer Rückenakt, Acryl auf Leinwand.

Die Ausstellung "Farbe - Körper - Natur" stellt einen Querschnitt der Werke Klara Fiedlers vor. Sie zeigt Aktstudien, Landschaftsimpressionen und abstrakte Arbeiten der letzten Jahre in verschiedenen Techniken auf Leinwand. "Die Anmut von Mensch und Natur hat es mir angetan. Ich bin bestrebt, dem Wesentlichen dabei in ästhetischer Form nachzuspüren. Dies zeigt sich in realistischen Darstellungen bis hin zur Abstraktion. Im Vordergrund steht immer die Liebe zur Farbe." Mit diesen Worten umreißt Klara Fiedler ihre künstlerischen Ambitionen.

Das Interesse an der Malerei wurde schon in ihrer Jugend geweckt. Seit den 1980er Jahren nahm Klara Fiedler immer wieder Maluntericht, zunächst in Seminaren an der Volkshochschule, dann auch privat bei verschiedenen Lehrern. Bei Dagmar Funke in Hamburg beschäftigte sie sich mit anthroposophischer Malerei. Später erhielt sie Unterricht bei Jan Goossens, der in ihr die Liebe zu den Farben weckte. Es folgten Studien bei Eileen Sieben, bei der sie wichtige Anleitungen für die Blumen-, Landschafts- und Porträtmalerei erhielt. Die Aktmalerei wurde ihr schließlich bei Renate Bethmann nähergebracht. 


Über die Künstlerin

Klara Fiedler wurde 1951 in Nörten-Hardenberg geboren. Nach dem Abitur 1971 studierte sie Medizin an der Freien Universität in Berlin. Ab 1978 folgte in Hamburg die Weiterbildung zur Ärztin für Innere Medizin. Seit 1987 ist Klara Fiedler leitende Ärztin der Medizinischen Untersuchungsstelle der Rentenversicherung Braunschweig-Hannover, Außenstelle Göttingen.

Seit vielen Jahren malt sie, in den letzten 15 Jahren besonders intensiv. In zahlreichen Seminaren und durch regelmäßigen Privatunterricht erweitert Klara Fiedler ihr malerisches Können stetig.



Tina Fibiger: "Eine vielstimmig künstlerische Welt"

Zur Eröffnung der Ausstellung Farbe - Körper - Natur am 9.8.2008

Schon mit dem Titel dieser ungemein farbenreich schillernden Galerie hat es seine besondere Bewandtnis. Ich möchte zunächst dieses sehr subtile Beziehungsgeflecht aufgreifen, in das die Begriffe Farbe, Körper und Natur eingebunden sind. Da wäre die natürliche Beschaffenheit der Farben, wie sie miteinander korrespondieren und Wechselwirkungen erzeugen. Dann das formende Farbelement, mit dem ein Körper oder auch eine Körperidee Gestalt annimmt.

Farbe, Körper und Natur

Oder nehmen Sie den Begriff Farblandschaft, als künstlerische Entgegnung auf das Schauspiel der Natur, dessen Elemente auf der Leinwand imaginiert werden, dabei ihre Form verändern können, eben ihre Körperlichkeit. Und ist nicht auch der menschliche Körper eine Landschaft voller disparater Elemente, die immer wieder andere Bilder und Sehweisen generiert und ihre jeweils andere Einfärbung? Schon mit den Begriffen Farbe, Körper und Natur bilden sich also umgehend assoziative Räume und Gedankenfelder, die sich nicht voneinander abgrenzen müssen, sondern ständig im Fluss bleiben für die vielen bewegenden Übergangsstadien, wie sie die Künstlerin sichtet. Sie benennen dann natürlich auch die wesentlichen Motive, die Klara Fiedler in ihren Arbeiten anklingen lässt.

Vielleicht haben Sie bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung bereits diese Liegende entdeckt, die so gar nicht zu ihren vielfarbigen Gefährtinnen zu passen scheint. Wo der tief dunkle Hintergrund einen hellen Torso freigibt, fast wie auf einem schwarz-weiß Negativ. Aber auch hier schimmert es aus der Nähe bläulich und grünlich. Viele helle Momente rumoren in den scheinbar lichtarmen Regionen und bilden eine unterschwellige Patina.

Der Prozess des Sehens ist ja auch eine Geschichte sich überlagernder Eindrücke, aus denen dann eine Bildidee entsteht, die den Betrachter gedanklich anregt und ihn Motive erkunden lässt. Und diese Liegende, die so kaum erfahrbar anmutet, sagt auch etwas über die Nähe und die Berührbarkeit, die sich beim Anblick all der Motive einstellt, in denen Klara Fiedler so vielfarbig imaginiert. Mit Gesichtern und ihrer ausufernden Mimik. Und mit all den Schauplätzen, in denen auch die Fantasie des Betrachters gefragt ist. Beim Anblick leuchtend roter, opulenter Mohnblumen oder dem eines Rapsfeldes ebenso wie bei dem Panorama einer Felsenschlucht oder einer Skyline, die von dramatischen Unruheherden umgeben ist. Klara Fiedler gewährt mitunter realistische Anhaltspunkte, aber davon losgelöst beginnt das eigentliche Sehabenteuer, wo sich Bilder von vereisten Hochhauskulissen einstellen, eine Farbbahn im Farbnebel zu schwimmen scheint. Wo vielfarbige Segel über eine blaue Fläche gleiten und man natürlich an ozeanische Regionen denken kann, aber ebenso an eine Hügellandschaft, die Klara Fiedler eben in ein zartes Blau getaucht hat.

Ich sage hier mit Absicht anklingen, denn bei ihr steckt kein fertiger Plan dahinter, was auf die ersten Striche zu folgen hat. Wo sie die inneren Bildimpulse dann hinführen und welche stilistische Fragen sich unterwegs stellen. Es ist mehr ein aufmerksames Verweilen vor der Leinwand, wo sich etwas abzeichnen wird, eine Farbspur, dann der Wunsch einen Kontrast zu entwickeln, eine Form entstehen zu lassen, ein Gesicht, ein Gebilde von Fassaden, ein grünes Refugium oder eine dieser Körperlandschaften, auf die sie in dieser Ausstellung immer wieder treffen, angezogen von diesen Blaustimmungen, die Klara Fiedler aus vielen Farbnuancen komponiert.

Es ist der Blick hinter die scheinbare Hülle, der an ihren Akten fasziniert, wo Schichten und Ablagerungen sich zu einer Silhouette verdichten. Für die ruhende und die stehende Gestalt, deren Umgebung dann in kräftigen Rottönen gehalten sein mag; für das tänzerische Trio im Moment der gelösten Bewegungen. Und dabei geht es nicht um das Entblößen von Körperpartien und fleischlichen Regionen sondern um die schöpferische Vielgestalt, die sich über diesen Kosmos der Farben und Nuancen mitteilt. Wo sich auf einer scheinbar glatten Oberfläche Verwerfungen abzeichnen, Risse und dunkle Löcher und wo die Bruchstücke auch wieder zu einer fließenden Form finden, die die harmonischen und die dissonanten Elemente eines Körpers wahrt. Aber Klara Fiedlers Farbenergien reichen noch viel weiter, wenn sie ihre Liegende mit einer unglaublich bunten Schulterpartie gestaltet, die Umgebung ihre leuchtenden Signale auf den Körper zu übertragen scheint oder vielleicht sogar umgekehrt, diese entspannt ruhende Gestalt selbst diese vielen Farbenergien beherbergt, die mit den benachbarten Regionen verschmelzen können.

Emotionale Kraft der Farben

Segelboote I

Sie vertraut der Sprache der Farben und ihrer erzählerischen Kraft, wie sie auch in ihren Fantasielandschaften geborgen ist. Und in die lässt sich ganz im Sinne der Künstlerin offen eintauchen. In den gelben Himmel mit seinen weich anmutenden Gewächsen, die ebenso einen gewaltigen atomaren Lichtsturm meinen können. Oder in die romantisch anmutende Kulisse eines Waldsees im Mondschein. Doch dann irritiert vielleicht der verkrüppelte Baumstamm in diesem Märchenpanorama. Und dass sich im Bildvordergrund eine feurige Welle nähert und das romantische Himmelsblau nur ein Traum ist. Und bei dem Bildtitel "Gegensatz" mögen sich dann auch weitere Lesarten einstellen über die Natur und über die zahllosen zerstörerischen Eingriffe. Aber auch von großer Begeisterung für die emotionale Kraft der Farben erzählen ihre Arbeiten. Wie es leuchtet und strahlt und einfach Lust macht, mit Gelb und Grün, Organe und Rot Formen zu entfalten, Stimmungen ein plastisches Bild zu geben und einen visuellen Raum, die immer auch in die Weite und in die Tiefe führt. Wo man mitunter auch an einem ganz anderen Ort ankommt, als man vielleicht ursprünglich dachte.

Klara Fiedler hat sich in einer Reihe neuerer Arbeiten mit ziemlich strengen Linien beschäftigt, um damit auch stilistisch einen weiteren Raum zu erkunden. Aus schwarzen Spuren werden Gerüste, sie bilden das tragende Korsett einer Häuserzeile und lassen an dörfliche Schauplätze denken. Doch wiederum führt der Sehweg schon bald in die Regionen der Imagination, auf eine schwebende Brücke, die in offenes Feld führt. Oder auf die Spur eines Regenschauers, der auf einem Platz eine schimmernde Fläche bildet. Und man bleibt einfach weiter unterwegs zwischen Farbe, Körper und Natur in der vielstimmigen künstlerischen Welt von Klara Fiedler.

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