Farbwelten - Gemälde, Aquarelle, Grafik
Werke von Silke Britzen

12. Oktober bis 12. November 2000

Dr. Silke Britzen ist Astrophysikerin. Ihr Studium (Physik, Astronomie und Mathematik) hat sie vor 7 Jahren mit dem Diplom abgeschlossen, vor drei Jahren hat sie an der Rheinischen Friedrichs-Wilhelms-Universität in Bonn promoviert. Beide Arbeiten (Diplom und Dissertation) führte sie am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn durch. Seitdem ist sie PostDoc an der Netherlands Foundation for Research in Astronomy in Dwingeloo (bei Groningen), unterstützt von CERES, dem "Consortium for European Research on Extragalactic Surveys", und erforscht die frühen Phasen der Entwicklung von Galaxien.

Farben des Sommers, Silke Britzen

Ein Besuch einer Wissenschaftlerin an einem wissenschaftlichen Institut? Das allein wäre allein keine Meldung wert. Frau Dr. Britzen kommt jedoch nicht als Wissenschaftlerin. Silke Britzen ist auch als Künstlerin tätig; die Radioastronomin malt - eigentlich nur zum Ausgleich ihrer intellektuellen Tätigkeit. Aber: Wenn sie einmal anfängt, kann sie nicht mehr aufhören. "Ich habe die Blumen als Vorbilder genommen und habe versucht, ihre Rhythmik einzufangen", sagt die Malerin, die gern zu klassischer Musik arbeitet und sich von einem Rausch von Farben tragen lässt. Glutvolle Farbdynamik und gestische Spontaneität ziehen durch ihre Bilder.

Den faustischen Stoßseufzer über die zwei Seelen in einer Brust vermag Silke Britzen gut nachzuvollziehen. Einerseits beruflich als Astronomin engagiert, andererseits absorbiert von ihrer Berufung zur Malerei, führt die 1967 in Trier geborene Naturwissenschaftlerin und Künstlerin in gewissem Sinn ein Doppelleben. Während ihrer Bonner Studienzeit absolvierte sie Kurse in Aquarell- und Ölmalerei am Kunstinstitut der Universität Bonn und schon im Januar 1999 präsentierte sich die junge Malerin zum ersten Mal in einer Einzelausstellung in der Galerie des Kurfürstlichen Gärtnerhäuschens in Bonn. Während ihrer Zeit in Groningen vervollkommnete sie sich auch in graphischen Techniken. Ihr Zugang zur Kunst ist unbefangen, unverbildet und gleichzeitig differenziert - und sehr temperamentvoll. Malerei bedeutet für sie spontanes Agieren sowie impulsives Reagieren auf Eindrücke und Ansichten, die die Natur vermittelt. "Ich will das einfangen, was ich sehe, und gleich wieder etwas Neues machen. Ich mische die Farben sehr wenig und trage die Farben gleich so auf, wie sie sind." Ihre Bilder lassen das große imaginative Gestaltungsvermögen erkennen, das sie besitzt, - und bisweilen auch ihre große Bewunderung für das Schaffen Emil Noldes.


Künstlerischer Werdegang

Silke Britzen

Schulzeit: Privatstunden bei dem Maler Walter Bettendorf.
Teilnahme und Preise bei regionalen und überregionalen Wettbewerben.

1988-1996: Studium am Kunstinstitut der Universität Bonn: Ölmalerei, Aquarell und Graphik. Dozenten: von Winterfeld, Engelke, et al.
Ausstellungsbeteiligungen

1997-2000: Kunstcentrum Groningen. Graphische Techniken. Dozent: O. Broeksma.
Ausstellungsbeteiligungen.

Einzelausstellung "Gesehenes": 09.01.-31.01.1999: Kurfürstliches Gärtnerhäuschen in Bonn.

Einzelausstellung "Farbwelten": 12.10.-12.11.2000: Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen.


Curriculum Vitae

  • April 1997: Doctoral degree; Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Referees: Prof. Dr. U. Klein, Priv.-Doz. Dr. W. Huchtmeier
  • 1993-1997: Work on Ph.D. thesis; Radioastronomical studies of the central regions in extragalactic radio sources; Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn, Dr. A. Witzel
  • 1993: Diploma Degree in Physics; Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Referees: Prof. Dr. W. Priester, Priv.-Doz. Dr. W. Huchtmeier
  • 1992-1993: Work on Diploma thesis; Using geodetic VLBI observations astronomically; Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn
  • 1986-1991: Studies of Physics, Astronomy and Mathematics; Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • 1986: Abitur, Privates St.-Josef-Gymnasium, Biesdorf


Positions Held

  • since May 1997: CERES postdoc (CERES: Consortium for European Research on Extragalactic Surveys); Netherlands Foundation for Research in Astronomy, Dwingeloo
  • 1994-April 1997: Graduate Scholarship; Max-Planck-Gesellschaft, Bonn
  • 1993-1994: Graduate Research Assistant; Geodätisches Institut der Universität Bonn
  • 1992-1993: Undergraduate Research Assistant; Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn

Einführung von Prof. Dr. Herbert Jäckle zur Ausstellung "Farbwelten" von Dr. Silke Britzen am 12.10.2000 im Foyer des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie, Göttingen


Sehr verehrte Damen und Herren,

"Zwei Seelen wohnen auch in dieser Brust" war in kapitalen Lettern im Bonner Generalanzeiger im Winter letzten Jahres als Überschrift zu einer Besprechung der Ausstellung, betitelt "Gesehenes" von Frau Dr. Silke Britzen, der jungen Künstlerin, die ich Ihnen heute vorstellen will, zu lesen. "De gustibus non est disputandum" mag manch sich einer von Ihnen hierzu sagen. Richtig! Auch richtig ist aber der Tatbestand, auf den die Verfasserin der Rezension hinweisen wollte: Die Talente von Silke Britzen sind nicht nur in eine Richtung angelegt. Neben ihrer Kunst beteiligt sich Frau Britzen intensiv an der Erforschung unseres Kosmos. Sie ist nämlich promovierte Astrophysikerin, die ihre Diplom- und Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn anfertigte und daran anschließend bis jetzt an der Netherland Foundation for Research in Astronomy in Dwingeloo, einem kleinen holländischen Marktflecken unweit von Emden, ihre Untersuchungen über die frühen Phasen der Entwicklung von Galaxien, Schwarzen Löchern und ähnlichen, unseren gewohnten Vorstellungen zutiefst fremden Objekten fortführt.

Aber nicht von unserer Forscher-Kollegin Silke Britzen soll hier die Rede sein, sondern von der Malerin und Graphikerin Silke Britzen, aus deren Schaffen einige neuere und, wie ich finde, besonders schöne Arbeiten in unserem Foyer und den anschließenden Räumen ausgestellt sind.

Wie kam es zu diesen Bildern? Das malerische Talent der Gymnasiastin fiel ihrem Lehrer Walter Bettendorf schon früh auf und er förderte ihr Talent zusätzlich zum Schulunterricht in privaten Stunden über die Schulzeit hin. Dies führte zu frühen Bildern, die auf verschiedenen Wettbewerben als preiswürdig erachtet wurden, nicht nur an ihrem Heimatort sondern auch in Mainz und andernorts in Rheinland-Pfalz. Dem dringenden Wunsch ihres Lehrers, eine nur künstlerische Karriere anzustreben, widerstand Silke Britzen jedoch. Sie studierte Physik und Astronomie, ohne allerdings ihre künstlerische Betätigung einzustellen. Parallel zum Studium der Naturwissenschaften besuchte Silke Britzen Kurse und Meisterkurse am Kunstinstitut der Universität Bonn und vervollkomnete sich in Aquarell- und Ölmalerei und späterhin in Groningen auch in graphischen Techniken. Zahlreichen Ausstellungsbeteiligungen folgte dann im Jahr 1999 die erste größere Einzelausstellung im "Kurfürstlichen Gärtnerhäuschen" in Bonn, einem Ausstellungssaal, den die Stadt August Mackes vorwiegend für Künstler aus dem Raum Bonn/Köln zur Verfügung stellt.

Ein Besucher dieser Ausstellung war auch Dr. Ulrich Nauber, der Organisator unserer Veranstaltungsreihe "Kunst am Faßberg". Er war so beeindruckt, dass er nicht nur Bilder zur Ausschmückung seiner häuslichen kunstbetonten Umgebung erstand, sondern auch in der Folgezeit Frau Britzen dazu gewann, ihre Arbeiten hier in Göttingen einem interessierten Publikum zu Gesicht zu bringen. Als Titel der Ausstellung, die unser Institut vom 12.10. bis 12.11.2000 präsentiert, wurde - quasi als Motto - der Begriff "Farbwelten" gewählt. Farbe, ja opulente Farbigkeit, zeichnen fast alle Arbeiten der Künstlerin aus. Die Gewalt der Farben lässt Verbindungen ziehen zu den Künstlern des Expressionismus und es wird Sie nicht überraschen, dass ein Künstler den Silke Britzen besonders verehrt, der im Norden Deutschlands ansässig gewesene Maler Emil Nolde ist. In der Tat entstanden einige der ausgestellten großen Aquarelle im Noldeschen Garten in Seebüll. Auch einige Farbholzschnitte und Linolschnitte basieren auf Skizzen, die in der Schleswig-Holsteinischen Landschaft eingefangen wurden. Die Stimmungen und das Licht in ihrem Wechsel über die Tage und die Jahreszeiten sind zentrales Thema in den Arbeiten von Silke Britzen, zumeist reflektiert in Landschafts- und Blumenbildern. Der Bogen spannt sich von morgendlichen Eindrücken in der Geest bei Schleswig bis hin zu spätherbstlichem Nachteinfall über den letzten Astern eines Blumengartens in der Nähe von Bonn. Von einem Abstecher in südlichere Gefilde, nämlich ins spanische Toledo, zeugen zwei Farbholzschnitte im angrenzenden Seminarraum. Auch nicht verschmäht, wenn auch in dieser Ausstellung zahlenmäßig unterrepräsentiert, werden ausdrucksstarke Vertreter aus dem Bereich der Zoologie, so z.B. das als Vorlage für einen großen Holzschnitt dienende stolze Huhn, von dem zu vermelden ist, dass es kurz nach seiner Verewigung diese Welt verlassen musste, da ein schnöder Nachbarshund es durch seinen Biss in die ewigen Körnergründe schickte.

Es ist immer der direkte visuelle Eindruck, der Silke Britzen zu Ihren Bildern anregt - unabhängig davon ob das Bild vorwiegend gegenständlich konzipiert ist, wie zum Beispiel bei den Blumenstücken, oder stärkere Abstraktion ausweist wie bei den Pigment-Bildern im Foyer, die die Empfindungen beim Betrachten von Feldern, Wolkenspielen und Blumenwiesen an der Ahr und deren Veränderungen im wechselndem Licht der Sommer - und Herbsttage widerspiegeln. Aber wie der Betrachter unschwer erkennt und empfindet, beschränkt sich die Künstlerin nicht auf eine Wiedergabe gesehener Szenarien, sondern versucht das Exemplarische, das tieferreichend Typische, also das Wesenhafte jenseits des reinen visuellen Eindrucks darzustellen. Vielleicht kann man es so beschreiben: In ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist es die Künstlerin gewohnt, aus verschiedenartigen Teilaspekten - den Ergebnissen ihrer Experimente an unvorstellbar weit entfernten kosmischen Objekten ein Bild zu formen, um deren Natur zu erschließen und zu verdeutlichen. In ihrer künstlerischen Arbeit sucht sie anhand von Augenblickseindrücken das Wesentliche und allgemeiner Gültige eines Eindrucks darzustellen, Form und Farbe so einzusetzen, dass größere Zusammenhänge für den Betrachter erfahrbar werden. In diesem Sinne trägt Silke Britzen in der Gesamtheit ihres Schaffens auch persönlich dazu bei, eine Synthese von rational Erfassbarem und emotional Erspürbarem herzustellen, die in der Summe unsere Welt bedeuten.


Bibliography

Thesis Work

Britzen, S., 1997, Zur Untersuchung kurzzeitvariabler Strukturen in aktiven Galaxienkernen, Ph.D. Thesis, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Britzen, S., 1993, Zur astronomischen Nutzung geodätischer VLBI-Beobachtungen, Diploma Thesis, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.


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