Zwei chinesische Nachwuchsförderpreise gehen nach Göttingen

30. Mai 2012

Han Sun und Yunfeng Hua, Doktoranden am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, erhielten am Samstag, 26. Mai, den "Award for outstanding Chinese students abroad". Der Preis wird jedes Jahr vom "China Scholarship Council" an junge chinesische Wissenschaftler im Ausland vergeben und ist mit einem Anerkennungsbetrag von 6000 US-Dollar verbunden. Die Preise wurden den beiden Nachwuchswissenschaftlern in der chinesischen Botschaft in Berlin von Wu Hongbo, dem Botschafter der Volksrepublik China in Deutschland, verliehen.

Han Sun (li.) und Yunfeng Hua bei der Preisverleihung am Samstag, 26. Mai 2012 in Berlin.

Han Sun begann ihr Chemiestudium in Tianjin (China) und kam nach einem Jahr an die Georg-August-Universität Göttingen. Ihre Diplomarbeit fertigte sie in der Abteilung "NMR-basierte Strukturbiologie" bei Christian Griesinger am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie an. Dort promoviert die Chemikerin seit 2009. Sie sucht nach Wegen, um die Ausrichtung der Atome zueinander in großen Molekülen genau zu bestimmen. Viele Moleküle können – je nach Orientierung ihrer Atome – in zwei Formen vorkommen, die sich wie die linke und rechte Hand verhalten. Die Wirkung von Bild und Spiegelbild kann sich dabei massiv unterscheiden: So wirkt zum Beispiel das Medikament Thalidomid als Schlafmittel, während die spiegelbildliche Form des Wirkstoffs krebserregend ist.

Doch wie lässt sich herausfinden, in welcher Form ein Molekül vorliegt? Diese Frage ist vor allem bei großen Molekülen, die sich nicht kristallisieren lassen, schwierig zu beantworten. Han Sun hat eine Methode mitentwickelt, um die Orientierung der Atome zueinander in großen Molekülen in Lösung mittels NMR-Spektroskopie zu bestimmen. Durch geschickte Kombination verschiedener Methoden kann sie die genaue Ausrichtung der Atome im Molekül aufklären.

Yunfeng Hua forscht auf einem anderen Gebiet: Wie kommunizieren Nervenzellen miteinander? Signale werden zwischen Nervenzellen an speziellen Kontaktstellen, den Synapsen, übertragen. Dazu gibt eine Senderzelle Botenstoffe ab, die von einer Empfängerzelle erkannt werden. Im Zellinneren werden die Botenstoffe in winzigen Transportbehältern, sogenannten Vesikeln, gespeichert. Soll ein Signal weitergegeben werden, verschmelzen die Vesikel mit der Zellmembran und setzen ihren Botenstoff frei. Dieser löst in der empfangenden Zelle ein Signal aus. Um die synaptische Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten, muss der Pool an freisetzungsbereiten Vesikeln in der Senderzelle anschließend wieder aufgefüllt werden. Wie dieser Vorgang im Detail funktioniert, untersucht Yunfeng Hua im Rahmen seiner Doktorarbeit in der Abteilung "Membranbiophysik" von Nobelpreisträger Erwin Neher am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Nach einem Bachelorabschluss in angewandter Chemie in Shanghai (China) kam Yunfeng Hua für das Masterstudium der Chemie nach Deutschland an die Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2008 forscht der Chemiker in Göttingen.

35 junge Doktoranden wurden dieses Jahr in Deutschland mit dem "Award for outstanding Chinese students abroad" geehrt. Mit dem Preis sowie weiteren Programmen und Stipendien fördert der "China Scholarship Council" den Austausch chinesischer Studenten und Nachwuchswissenschaftler mit dem Ausland. (vk)

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