Matías Hernández erhält Otto-Hahn-Medaille

5. Juni 2013

Für seine Forschungen auf dem Gebiet der Neurobiologie erhält Matías Hernández, Nachwuchswissenschaftler am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, die Otto-Hahn-Medaille 2012. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ehrt mit dieser Auszeichnung außergewöhnliche Leistungen junger Forscherinnen und Forscher. Der Preis wird am 5. Juni 2013 in Potsdam während der MPG-Hauptversammlung verliehen.

Der Preisträger Matías Hernández erforschte für seine Doktorarbeit die Funktionsweise sogenannter SNARE-Proteine. Diese ermöglichen als molekulare Helfer die Verschmelzung von Zellmembranen und damit die Signalübermittlung zwischen Zellen. „Das ist ein ganz fundamentaler Prozess, denn Membranfusionen laufen die ganze Zeit im Körper ab. Mein Fokus liegt besonders darauf, wie Nervenzellen miteinander kommunizieren“, erklärt Hernández. Informationen werden gewöhnlich über Botenstoffe weitergegeben, die in kleine Membranbläschen verpackt im Inneren der Nervenzelle bereit liegen. Wenn elektrische Signale anzeigen, dass ein Signal an die Nachbarzelle übermittelt werden soll, verschmelzen einige dieser Membranbläschen mithilfe von SNARE-Proteinen mit der Zellmembran und schütten ihre Botenstoffe aus. Hernández untersuchte, wie SNARE-Proteine dabei exakt zusammenarbeiten und die benötigten Kräfte aufbauen, um die Membranen verschmelzen zu lassen.

Dr. Matías Hernández

„SNAREs verhaken sich wie ein Reißverschluss. Der neue Ansatz war, die einzelnen Schritte dieses Prozesses mit den Phasen der Membranverschmelzung in Verbindung zu setzen und zu analysieren. Bisher fehlte auch ein experimenteller Nachweis, wie die Membranfusion physikalisch während dieser Schritte abläuft“, sagt Hernández. In einem kontrollierten künstlichen Testsystem verlangsamte er den Fusionsprozess biochemisch und analysierte daraufhin das Verhalten der SNARE-Proteine, die etwa 600-mal kleiner als ein Haardurchmesser sind, mit dem Elektronenmikroskop.

Neben seiner Forschung engagiert sich Chemiker Hernández für die Vernetzung chilenischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit deutschen und weiteren europäischen Forschungseinrichtungen. Im Jahr 2009 rief der gebürtige Chilene in Göttingen die „Encuentros“-Konferenzreihe für junge chilenische Forscher ins Leben. Im vergangenen Sommer war er, unterstützt vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie sowie der chilenischen Botschaft, Hauptorganisator des „Max Planck-Chile Research Seminars“ in Berlin, bei dem über 50 chilenische Forscher und Max-Planck-Wissenschaftler ihre Zusammenarbeit weiter ausbauten. (es)

Über den Preisträger

Matías Hernández (Jahrgang 1983) studierte Chemie an der Universität Sydney (Australien) mit Forschungsaufenthalten in Labors in Ames (USA) und Charlottesville (USA) sowie Stellenbosch (Südafrika). Für seine Promotion kam er 2007 nach Göttingen an das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in die Abteilung „Neurobiologie“ von Reinhard Jahn. Im Jahr 2009 gründete und organisierte der gebürtige Chilene die Wissenschaftskonferenz „Encuentros“ in Göttingen, bei der sich nun in jährlich wechselnden Städten junge chilenische und europäische Forscher austauschen. Von 2011 bis Mitte Mai dieses Jahres forschte Hernández als Postdoc in der Abteilung „Neurobiologie“ in Göttingen. Ab Juni 2013 wechselt Hernández an das Münchner Max-Planck-Institut für Biochemie.

Über die Otto-Hahn-Medaille

Seit 35 Jahren zeichnet die Max-Planck-Gesellschaft jedes Jahr junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende Promotionsarbeiten mit der Otto-Hahn-Medaille aus. Der Preis ist mit 7500 Euro dotiert. Er soll begabte Nachwuchsforscher unterstützen, ihre weitere Hochschul- und Forscherkarriere im Ausland fortzusetzen. Die Auszeichnung wird jeweils während der Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft für das vergangene Jahr verliehen.

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