Paul Karrer Medaille für Stefan Hell

21. Juni 2013

Stefan W. Hell, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, ist mit der diesjährigen Paul Karrer Medaille in Gold ausgezeichnet worden. Die Stiftung für die Paul Karrer-Vorlesung ehrt den Physiker damit für seine herausragenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der hochauflösenden Lichtmikroskopie. Der Preis wurde dem Physiker am 19. Juni 2013 an der Universität Zürich (Schweiz) feierlich überreicht.

 

Mit seinen auf den ersten Blick ungewöhnlichen Ideen hat der Physiker Stefan Hell Lehrbuchwissen auf den Kopf gestellt. Mit neuen physikalischen Konzepten sei es dem Preisträger gelungen, die Beugungsgrenze von Lichtmikroskopen fundamental zu unterlaufen, so die Begründung der Stiftung. Hell revolutionierte damit die Lichtmikroskopie und eröffnete völlig neue Einblicke in den Nanokosmos lebender Zellen. 

Herkömmliche Lichtmikroskope können Objekte, die weniger als 200 Nanometer (millionstel Millimeter) voneinander entfernt sind, im Bild nicht mehr trennen. Für Biologen und Mediziner bedeutete dies eine massive Einschränkung. Denn um Strukturen lebender Zellen zu untersuchen, reicht diese Auflösung nicht aus. Die von Hell erfundene und entwickelte Stimulated Emission Depletion (STED)-Mikroskopie und damit verwandte Verfahren erlauben es, Zellen mit einer heute bis zu zehnmal besseren Detailschärfe zu beobachten und sogar Vorgänge im Inneren lebender Zellen in Echtzeit zu filmen. Der Ansatz des Physikers beruht auf einem einfachen Trick: Eng benachbarte Details werden unter Verwendung eines speziellen Lichtstrahls sequenziell dunkel gehalten, sodass sie nicht auf einmal, sondern nacheinander aufleuchten. Sie können somit im Lichtmikroskop unterschieden werden. „Ein großer Vorteil ist, dass unserer Methode ein relativ allgemeines Grundprinzip zugrunde liegt. Die Hochauflösung ist daher längst nicht ausgereizt“, sagt Hell. Als Einsatzgebiete sieht er vor allem die Biologie und Medizin. In der Erforschung von Krankheiten oder der Entwicklung von Medikamenten biete die STED-Mikroskopie reichlich Potenzial. „Wenn sich direkt beobachten lässt, wie ein Medikament in der Zelle wirkt, könnte die Entwicklungszeit neuer therapeutischer Wirkstoffe enorm verkürzt werden und sich viele Tierversuche erübrigen“, hofft der Physiker.

Stefan Hell ist nach Hans Kuhn der zweite Direktor vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, der mit der Paul Karrer Medaille in Gold ausgezeichnet wird. Unter den bisherigen Preisträgern befinden sich auch neun Nobelpreisträger. (cr)

Über den Preisträger

Stefan W. Hell (Jahrgang 1962) promovierte 1990 an der Universität Heidelberg in Physik und arbeitete von 1991 bis 1993 am Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium (EMBL) in Heidelberg. Danach folgte ein dreieinhalbjähriger Aufenthalt an den Universitäten Turku (Finnland) und Oxford (Großbritannien). Als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe wechselte er im Jahr 1997 an das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Seit 2002 ist er an diesem Institut Direktor und Leiter der Abteilung NanoBiophotonik. Stefan Hell hat für seine Forschung zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den 10. Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten (2006), den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis und den Niedersächsischen Staatspreis (beide 2008), den Otto-Hahn-Preis für Physik (2009), den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft (2011) und den Wissenschaftspreis der Fritz Behrens-Stiftung (2012).

Über die Paul Karrer Medaille

Die Stiftung für die Paul Karrer-Vorlesung zeichnet in einem ein- oder zweijährigen Turnus einen hervorragenden Forscher auf dem Gebiet der Chemie mit der Paul Karrer Medaille in Gold aus. Mit der Verleihung verbunden ist eine wissenschaftliche Vorlesung an der Universität Zürich. Die Stiftung wurde 1959 von den Firmen CIBA Aktiengesellschaft, J.R. Geigy, F. Hoffmann – La Roche & Co. AG, Sandoz AG, Société des Produits Nestlé SA und der Dr. A. Wander AG ins Leben gerufen. 

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